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Simulationsfilm

(1) Werden Simulationen physikalischer oder medizinischer Prozesse mittels eines Films sichtbar gemacht oder präsentiert, nennet man das Ergebnis kurz und prosaisch auch „Simulationsfilm“.
(2) Genauso, wie Forscher aktive Wirklichkeitskonstruktion betreiben, greifen auch bestimmte Filme die Konstruiertheit von Realität und Wahrheit und die zunehmende mediale Vermittlung der Wirklichkeit auf. Filme wie Lost Highway (1997), Wag the Dog (1997), The Truman Show (1998) oder eXistenZ (1998) interpretieren dieses neue Gesellschaftsbild kritisch und setzen es verdichtet um. Dabei bildet sich ein neues, transitorisches Subgenre des Films, der „Simulationsfilm“, heraus, dessen Entstehung mit David Cronenbergs Videodrome (1982) angesetzt werden kann. Simulationsfilme untersuchen in einer selbstreflexiven Weise, warum es in unserer „cinematischen Gesellschaft“ (Norman K. Denzin), mit ihrer „postmodernen Medienkultur“ (Douglas Kellner), immer schwieriger wird, zwischen Wirklichkeit und repräsentierter Wirklichkeit zu unterscheiden. In vielen Fällen besitzen wir scheinbar keine Möglichkeit mehr, die medial vermittelte Wirklichkeit auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen, so dass sich immer mehr der Druck ergibt, den Medien zu „vertrauen“. Die Macht der Medien kontrolliert die Subjektivität und die soziale Erfahrung, und darum dreht es sich letztlich in verschiedenen Variationen im Simulationsfilm. Durch die zunehmende Medienkompetenz der Gesellschaftsmitglieder kann es jedoch möglich sein, die Konstruiertheit medial vermittelter Information zu durchschauen, und so kann es zu widerständigen Bewegungen, gegen die Mediatisierung der Realität und die Entwicklung zur Simulationsgesellschaft, kommen.

Literatur: Wiemker, Markus: Das Genre des Simulationsfilms. In: Das Kino der Gesellschaft – die Gesellschaft des Kinos. Interdisziplinäre Positionen, Analysen und Zugänge. Hrsg. v. Manfred Mai u. Rainer Winter. Köln: Herbert von Halem 2006, pp. 276-288.