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Spionagefilm

Die Hauptfiguren des Spionagefilms sind Agenten oder geraten mit Agenten zusammen. Der Spionagefilm setzt eine hegemoniale Weltordnung voraus, sei es Gegensatz von Ost und West, Nazis und Alliierten, Israelis und Arabern oder ähnlich; unter Umständen kann sich das Motiv auch an innergesellschaftlichen Gegensätzen (Kapital und Arbeit, herrschende und unterdrückte Religionen, rassistische Gegensätze etc.) entfalten. Der Gegenwartsbezug des Genres ist selbst dann erkennbar, wenn die feindlichen Lager erfunden sind.
Das Gesamtgenre umfasst manchmal vielgestaltige Subgenres wie den Anti-Nazi-Film. Der Kalte-Kriegs-Film der 1950er Jahre spiegelt die paranoide Kollektivgestimmtheit seiner Zeit. Manchmal entwickeln sich Subgenres wie der Agentenfilm aus dem ursprünglichen Bereich der Spionage heraus und bekommen einen eigenständigen Status.
Die Charakterisierung der Hauptfigur ist im Spionagefilm äußerst zentral. Der Zwang, doppelte Identitäten einzunehmen, führt zu labilen, widersprüchlichen, gelegentlich schizophrenen Persönlichkeitsspaltungen. Insbesondere der Spion der Kalten-Kriegs-Filme (als Beispiel: The Spy Who Came in from the Cold, 1965) ist oft eine tragische, antiheldische Figur; dagegen stehen die zynischen, politische Systeme ebenso wie die Rechte von Menschen verachtenden Helden in Hustons The Kremlin Letter (1970).
Darum bilden die Agentenfilme wie die James-Bond-Filme, die die Arbeit von superheldischen oder trotteligen Agenten zwischen Action und Klamauk zeigen, eine Gegenbewegung gegen den Spionagefilm. Das Subgenre ist seit den 1960er Jahren beliebt und sowohl im Kino wie auch im Fernsehen massiv bedient worden.

Literatur: Medienwissenschaft / Hamburg: Berichte und Papiere 16, 2003: Spionagefilm / Spionageroman. [Bibliographie.] – Mavis, Paul: The Espionage Filmography. A Complete Guide To Spy Movies Whether Covert Agents, Cowboys, Cops Or Clowns. McFarland and Company 2000. – Booth, Alan R.: The Development of the Espionage Film. In: Wesley K. Wark (ed.): Spy Fiction, Spy Films and Real Intelligence. London: Cass 1991, pp. 136-160. – Rubenstein, Leonard: The great spy films: A pictorial history. Secaucus, N.J.: Citadel 1979.
 

Referenzen