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star studies

dt.: Starforschung

Star Studies bzw. Starforschung ist ein Teilgebiet der Filmwissenschaft. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Filmstars begann erst sehr spät – im Kontrast zum öffentlichen Interesse an Stars, das seit den 1910er Jahren ungebrochen groß ist. Als wichtiger Impuls für die filmwissenschaftliche Beschäftigung mit Stars gilt Richard Dyers 1979 erschienenes Buch „Stars“. Dyer vereint darin semiotische und soziologische Ansätze, um so zu einem umfassenden Bild der Phänomenologie der Stars und der Fundamente der Bindungen von Zuschauern an Leinwandfiguren zu kommen. Im Anschluss an und oft auch als Kritik an Dyer wurde seitdem eine ganze Reihe von Arbeiten zur Geschichte des Starsystems, zu einzelnen Starimages und zur Funktion von Stars innerhalb der Filmindustrie vorgelegt.

– So analysierte Richard DeCordova in „Picture Personalities“ die Entstehung des amerikanischen Starsystems in den 1910er Jahren und revidierte dabei bislang gängige Erklärungsmuster.
– Ein weiteres, durch Dyer angestoßenes Feld der Starforschung sind die Geschlechterrollen und ihre Manifestation und Modulation durch Star-Figuren, die nicht nur als „role models“ fungieren, sondern Rollen auch karikieren, kommentieren, fortentwickeln. Gaylyn Studlar hat in „This Mad Maquerade“ Männlichkeitsbilder von Stummfilmstars analysiert. Neue Sichtweisen auf aktuelle Geschlechterrollen im Film haben Chris Holmlund mit „Impossible Bodies“ und Susanne Weingarten mit „Bodies of Evidence“ vorgelegt.
– In der historischen Publikumsforschung hat Jackie Stacey eine bahnbrechende Studie zum Verhältnis britischer Zuschauerinnen zu amerikanischen Stars publiziert.
– Zu den ökonomischen Funktionen von Stars und ihre Bedeutung bei der Vermarktung von Filmen haben Barry King und Danae Clark gearbeitet. Die im Band von Austin und Barker gesammelte Artikel geben eine Übersicht der neueren Entwicklungen im Hollywoodsystem und versuchen zugleich, nicht ohne Polemik „star studies after Dyer“ neu zu definieren, oft durch eine stärker wirtschaftlich orientierte Perspektive.

– Aufbauend auf Dyer hat Stephen Lowry ein diskursanalytisches Modell vorgeschlagen, mittels dessen Stars als Bedeutungskonstrukte erfassbar werden, in denen sich heterogene und oft widersprüchliche Diskurse schneiden, während Paul MacDonald eher die Verquickung vom Stardiskurs mit dem wirtschaftlichen Starsystem betont.

Literatur: Austin, Thomas / Barker, Martin, eds.: Contemporary Hollywood Stardom. London: Arnold, 2003. – Clark, Danae: Negotiating Hollywood: The Cultural Politics of Actor's Labour. Minneapolis: University of Minnesota Press 1995. – DeCordova, Richard: Picture Personalities: The Emergence of the Star System in America. Urbana: University of Illinois Press 1990. – Dyer, Richard: Stars. London: British Film Institute 1979. – Holmlund, Chris: Impossible Bodies. Femininity and Masculinity at the Movies. London/New York: Routledge, 2002. – King, Barry: Articulating Stardom. In: Screen 26,5, 1985, S. 27-50. - Klaprat, Cathy: The Star as Market Strategy: Bette Davis in Another Light. In: The American Film Industry. Ed. by Tino Balio. Rev. Ed. Madison: The University of Wisconsin Press: 1985, S. 351-376. – Korte, Helmut / Faulstich, Werner (Hrsg.): Der Star. Geschichte - Rezeption - Bedeutung. München: Fink 1997. – Lowry, Stephen: Stars und Images. Theoretische Perspektiven auf Filmstars. In: Montage/AV 6,2, 1997, S. 11-35. – MacDonald, Paul: The Star System. Hollywood’s Production of Popular Identities. London: Wallflower, 2000. – Stacey, Jackie: Star Gazing: Hollywood Cinema and Female Spectatorship. London: Routledge. 1994. - Studlar, Gaylyn: This Mad Masquerade: Stardom and Masculinity in the Jazz Age. New York: Columbia University Press 1996. – Weingarten, Susanne: Bodies of Evidence: Geschlechtsrepräsentationen von Hollywood-Stars. Marburg: Schüren 2003.