Metainformationen zur Seite
  •  

Tafelbild

Das Tafelbild hat eine lange Erfolgsgeschichte: Über 500 Jahre war es Mittler zwischen der Rea­li­tät, wie sie Menschen aus eigener Anschauung kennen, und dem medialen Akt einer gestalteten Vision. Das Tafelbild in unserem Sinn trat um 1300 als Altar- oder Andachtsbild in die Geschichte ein; erste Ermüdungs­er­scheinungen zeigte es gegen 1860, als die Porträtphotographie eine seiner zentralen Aufgaben über­nahm. Seit 1945 ist der Kunstmarkt letztes Residuum des Tafelbildes, allerdings erzielt es hier als kapitalisierter „Ausstellungswert“ (Benjamin) noch immer Preis­rekorde. In der „zweiten Moderne“ ab 1960 entfaltet sich ein Bilderstreit, den das Tafelbild nur als Ideenträger der insgesamt konzeptionell gewordenen Kunst besteht.
Im Gegensatz zu neueren Bildformen tritt das Tafelbild in phy­sisch geronnener Form auf, phänomeno­lo­gisch angezeigt durch einen – oft aufwändig gestalteten – Rahmen. Seine Funktion ist häufig me­dialer Ausdruck von Transzendenz oder Repräsentanz: Staats­männer wirken staatsmännischer, wenn sie gemalt erscheinen. Das Tafelbild selbst ist symbolische Form und wird als solche durch symbolische Subsysteme wie Kadrierung, Perspektiv­konstruktion, Flächen und Farben gestärkt. Es tritt auch in Filmen auf und beeinflusst Handlungsverläufe. Unge­klärt ist die Frage, ob der Bildbegriff des Films selbst Züge des Tafelbildes aufweist oder ontologisch nur über die Zwischenform der Photographie zu verstehen ist.

Literatur: Meder, Thomas: Das Bild als epistemologische Herausforderung des Films. Jean und Auguste Renoir. In: Das bewegte Bild. Film und Kunst. Hrsg. v. Thomas Hensel, Klaus Krüger u. Tanja Michalsky. München: Fink 2006, S. 3-26. – Sachs-Hombach, Klaus (Hrsg.): Bild und Medium. Kunst­ge­schichtliche und philosophische Grundlagen der interdisziplinären Bildwissenschaft. Köln: Halem 2006. – Scholz, Oliver Robert: Bild. In: Ästhetische Grundbegriffe. 1. Hrsg. v. Karlheinz Barck [...]. Stuttgart/Weimar 2000, S. 618-669.