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Terrorismus: Kaschmirkonflikt (im Bollywoodfilm) II

Das Hindi-Kino betont die Ambivalenz der Terroristenfigur stilistisch: Der für Bollywood typische Genre-Mix ermöglicht den alternierenden Einsatz sowohl von Elementen des Melodrams als auch des Actionthrillers im selben Film, so tritt der Terrorist abwechselnd als romantischer, familienverbundener Held und berechnender Zerstörer auf (Fanaa [Destroyed in Love], 2006, Kunal Kohli). Die Botschaft der Filme ist jedoch durchweg eine indisch-patriotische: In Roja (1992, Mani Ratnam) riskiert eine Geisel muslimischer Terroristen eher das eigene Leben, als mit anzusehen, wie eine indische Flagge verbrannt wird; in Fanaa erschießt eine liebende Ehefrau ihren eigenen Mann, da dessen terroristische Pläne eine Gefahr für das Wohl der Nation darstellen. Die Atmosphäre der Filme verortet das jeweilige Terrorismusnarrativ überdies in einem Diskurs der kollektiven Trauer: Friedliche Stimmungen und Landschaftstableaus werden jäh durch Explosionen zerstört, womit der Verlust kaschmirischer Idylle bildsprachlich betont wird (Mission Kashmir). Letzterer Aspekt wird von der Filmwissenschaft aufgegriffen, die ein Verständnis der Filme als Verarbeitungen eines kulturellen Traumas nahelegt. Überdies wird kritisch angemerkt, dass Muslimen im Bollywoodfilm zumeist einzig die Rolle des Aggressors zukommt. Diese einseitige Repräsentation wird als Teil einer generellen Marginalisierung verstanden, die dem Kontext der dominanten hindu-nationalistischen Bewegung Indiens zugeordnet wird.

Literatur: Chakravarty, Sumita S.: Fragmenting the Nation: Images of Terrorism in Indian Popular Cinema. In: Hjort, Mette / Mackenzie, Scott (eds.): Cinema & Nation. London/New York: Routledge 2000, S. 222-238. – Hirji, Faiza: Change of Pace? Islam and Tradition in Popular Indian Cinema. In: South Asian Popular Culture 6,1, 2008, S. 57-69. – Sharma, Alpana: Paradise Lost in Mission Kashmir: Global Terrorism, Local Insurgencies, and the Question of Kashmir in Indian Cinema. In: Quarterly Review of Film and Video 25,2, 2008, S. 124-131.

Referenzen