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Torture-Porn

engl.; auch: torture horror; dt. etwa: Folter‑Porno; auch im Dt. gebräuchlich

Relativ junges Subgenre des Horrorfilms, in dem Folter, explizite Gewaltdarstellungen, Erniedrigungen und Verstümmelungen nicht wie auch bei anderen Filmen am Rande der Handlung vorkommen, sondern diese weitgehend bestimmen. Die Ursprünge des Torture‑Porn gehen bis in die 1970er und 1980er Jahre zurück, finden sich hier vor allem in Billigproduktionen. Der Begriff, der wohl 2006 von dem amerikanischen Filmkritiker David Edelstein geprägt wurde, der nicht nur die deutlich größeren Produktionsbudgets für Filme dieser Art vermerkte, sondern auch darauf hinwies, dass sie sich gegen die moralischen Tiefenkonstruktionen des Horror- und Splatterfilms gestellt hätten: Hier werden nicht mehr vor allem junge Leute für vermeintliche Verfehlungen (wie ihren Hang zur Promiskuität) bestraft, sondern normale, völlig schuldlose Alltagsmenschen grundlos angegriffen. Auch die Finalisierung der Geschichten ist nihilistisch ausgeführt, das im Muster des final girl immer noch in Resten erkennbare Prinzip des happy endings (oder happy outcomes) ist ausgesetzt, das Böse triumphiert am Ende.
Der Begriff wird vor allem in konservativer Medienkritik verwendet. Eine andere Analyse liest die Erzählformen des Torture-Porn als Reaktion auf den (realen) Terror und die Herauslösung von Gewalt aus jeder moralischen oder ethischen Begründung. Entsprechend wurde der Begriff „Terrorfilm“ vorgeschlagen. Andere Kontexte der Analyse sind die Horizonte des sich verbreitenden und auch politisch funktionalisierten Folter-Diskurses sowie die sich verändernden gesellschaftlichen Modelle des Körpers und deren Exploitation.

Literatur: Aston, James / Walliss, John (eds.): To see the „Saw“ movies. Essays on torture porn and post‑9/11 horror. Jefferson, NC [...]: McFarland 2013. – Jones, Steve: Torture porn. Popular horror after „Saw“. Basingstoke: Palgrave Macmillan 2013. – Neroni, Hilary: The subject of torture. Psychoanalysis and biopolitics in television and film. New York: Columbia University Press 2015. – Stiglegger, Marcus: Terrorkino. Angst, Lust und Körperhorror. Berlin: Bertz & Fischer 2010.