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Totentanz

Tod im Film: Personifikationen des Todes Der Auftritt des Todes als Akteur ist eine filmische Figur in Anlehnung an die kunsthistorische Tradition des Totentanzes. Der Totentanz ist eine Vorstellung und Bildfindung des Mittelalters. Der Tod erscheint auf unterschiedliche Art: als Hautskelett, Knochenmann oder Spielmann. Die Bilder sind begleitet von Versen, die meist Dialoge zwischen Tod und dargestelltem Mensch zum Inhalt haben. Ebenfalls Element vieler Totentanz-Bilder ist der sogenannte Memento-Mori-Gedanke („Bedenke, dass du sterben musst“). Die ersten mittelalterlichen Totentänze entstehen ab 1350. Holbein löst die mittelalterliche Tradition 1538 mit seiner Darstellung von Totentänzen auf und leitet über zu einer neuzeitlichen Totentanz-Interpretation. Der personifizierte Tod als filmische Figur findet sich bereits bei den Gebrüdern Lumière 1898 in ihrem Trickfilm Le Squelette Joyeux. In Anlehnung an Märchen-Motive und phantastische Plots löst sich der personifizierte Tod mehr und mehr aus seiner piktorialen Allegorik und individualisiert sich auf narrativer Ebene, indem er beispielsweise als seines Amtes überdrüssig (Der müde Tod, 1921), als kurz vor dem Ruhestand stehender Kutscher (Körkarlen, 1920), als unangemeldeter Besucher (Death takes a holiday, 1934, Remake: Meet Joe Black, 1998) oder als Spieler, der sich herausfordern lässt (Dat sjunde insegelet, 1956), "Charakter" erhält. Die Mise-en-Scène bedient sich meist tradierter Symbole wie Stundenglas, Schachbrett oder Schädel. Dagegen stehen der namenlose Tod in Carnival of Souls (1962), der Schnitter-Tod in Las Action Hero (1993), der als Gerippe verkleidete Tod in Orfeo Negro (1959) oder der „Mystery Man“ in Lost Highway (1997) weiter in der Tradition einer übertragenen und verrätselten Allegorik.

Literatur: Bragg, Melvyn: The Seventh Seal. London: BFI Publishing 1993. – Cosacchi, Stephan: Makabertanz. Der Totentanz in Kunst, Poesie und Brauchtum des Mittelalters. Meisenheim am Glan: Hain 1965. – Gunning, Tom: The films of Fritz Lang. Allegories of Vision and Modernity. London: British Film Institute 2000. – Wunderlich, Uli: Der Tanz in den Tod. Totentänze vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Freiburg: Eulen-Verlag 2001.

Referenzen