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Trabantenstadt

Schauplatz in dokumentarischen und fiktionalen Filmen, die meist in Form einer Milieustudie Gesellschafts- und Systemkritik formulieren. Geschildert werden die Lebensbedingungen von kleinen Leuten in rasch und billig hochgezogenen Agglomerationssiedlungen (im Unterschied zum Leben in einer tendenziell organisch gewachsenen City, aber auch zu den dörflichen Strukturen der Kleinstadt): Vereinzelung und Anonymisierung, Langeweile und das Fehlen sozialer Netze und kultureller Angebote, Verwahrlosung einzelner Haushalte ebenso wie ganzer Straßenzüge, Arbeitslosigkeit und der Mangel an Perspektiven zeichnen diese Bedingung aus. Motive wie drückende Armut, unkontrollierbar werdende Jugend- und Kleinkriminalität, latente und offene Gewalt sowie Sucht und Drogen kommen hinzu, aber auch Rassismus, Identitätsprobleme, problematische Generationenbeziehungen sowie die Konflikte, die aus Emigration, Kulturkontrasten und Minoritätsproblemen resultieren. Oft stammen die Filmemacher selbst aus Trabantenstädten, wissen also um die Lebensbedingungen und setzen dieses Wissen in ihren Filmen voraus. Insbesondere in Frankreich hat der sozialkritische Film die besonderen Lebensbedingungen der Trabantenstäste ausgehorcht, die es in dieser soziologischen Struktur nur in Frankreich gibt; für einzelne Filmbewegungen wie das Cinéma beur, ein eigentliches Immigrationskino, ist der Schauplatz der Trabantenstadt konstitutives Element.

Beispiele: Le Thé au Harem d‘Archimède (Frankreich 1985, Mehdi Charef); Assassin(s) (Frankreich 1997, Mathieu Kassovitz); Noko (Südafrika 1999, Mosese Semenya); Petits Frères (Frankreich 1999, Jacques Doillon).

Referenzen