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tsuma-mono

von japan. tsuma = „Ehefrau“ + eiga = „Film“; auch: Tsuma-eiga

Als Genrebezeichnung sind mit dem Ausdruck japanische Spielfilme gemeint, in denen (japanische) Ehefrauen die thematisch tragende Rolle spielen. Die Stellung der japanischen Frau in der sich seit dem späten 19. Jahrhundert allmählich wandelnden und vorsichtig nach innen und außen sich öffnenden japanischen Gesellschaft hat japanische Regisseure bereits früh angeregt. Die Frau als heranwachsende Tochter, als Braut, als Ehefrau und Mutter, als sich behaupten müssende Witwe, als Berufstätige, sogar als Prostituierte wird in zahlreichen Spielfilmen seit der Stummfilmzeit der 1920er Jahren thematisiert. Etliche solcher tsuma-mono, Spielfilme über Ehefrauen und ihr besonderes Verhältnis zum Ehemann als Familienpatriarch und zu anderen Männern (als Interessenten, Liebhabern usw.) sowie zu anderen Frauen (Konkubinate, Seitensprünge, Eifersuchten) haben insbesondere Yasujirô Ozu (1903-1963), Mikio Naruse (1905-1969; z.B. mit Tsuma ya bara no yo ni, aka: Kimiko / Wife! Be Like a Rose, 1935) seit Mitte der 1930er Jahre und in den 1960er Jahren dann Yasuzo Masumura (1924-1986; z. B. mit Seisaku no Tsuma [„Seisakus Frau“], 1965) realisiert. Eine zutiefst japanische Lösung für ein Paar, das vorderhand so gar nicht zusammenzupassen scheint, in einer Komödie über ihre eigentlich unglückliche Ehe, in der sich letztlich doch alles zum Guten wendet, bietet Yasujirô Ozus Ochazuke no aji (The Flavour of Green Tea Over Rice, 1952), indem er – ohne dabei irgendwelche feministischen Thesen (avant la lettre) widerlegen zu wollen – auf der Folie eines kontrastierenden Subplots zeigt, wie das Paar eine „innere“ Emanzipation bewerkstelligt, die das weitere Zusammenleben ermöglicht.
Als Form des soziologischen Blickes spielen tsuma-mono vorwiegend in der japanischen Jetztzeit, gehören somit dem gendai-geki an. Allerdings kann sich dieser Blick – dann oft an Shakespeare-Dramaturgien geschärft – auch auf historische Stoffe richten (jidai-geki) wie in der Geschichte von einer arrangierten und angeordneten Hochzeit aus der Feudalzeit von 1725 in Masaki Kobayashis Jôi-uchi: Hairyô Tsuma Shimatsu (Rebellion: [„Receive the Wife“], 1967).

Literatur: Milne, Tom: The Flavour of Green Tea over Rice. In: Sight & Sound 32,4, 1963, S. 182-206; wiederabgedr. in: Wilson, David (ed.): Sight and sound: a fiftieth anniversary selection. London: Faber and Faber in assoc. with BFI Publishing 1982.

Referenzen