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Video Nasties

von engl.: nasty = schmutzig, zotig, abscheulich, eklig; so viel wie: Schmutz- und Schundfilme; gelegentlich auch: nasty videos

Eine Gruppe von überwiegend aus italienischen und amerikanischen Quellen stammenden und hauptsächlich dem Horror-Genre (Zombiefilme, Kannibalenfilme, Nazi-Exploitationsfilme, Mondo-Filme, Snuff-Filme; Splatterfilme etc.) zuzurechnenden Filmen, die auf dem bis 1984 weitgehend ungeregelten britischen Videomarkt vertrieben wurden. Sie wurden in Großbritannien aufgrund einer Anfang der 1980er Jahre hochkochenden, z.T. von der Videoindustrie selbst angezettelten öffentlichen Diskussion um Zerfall und Bewahrung moralischer Werte von Staats wegen indiziert. Den Ausdruck Video Nasties prägte die selbsternannte Tugendwächterin Mary Whitehouse von der britischen National Viewers‘ and Listeners‘ Association. Nach dem Video Recordings Act von 1984, der alle neuen Produktionen zur Zertifizierung zwang, wurden die nunmehr katalogisierten und dokumentierten Video Nasties erst recht zu einem Gegenstand fankultureller Verehrung und satirischer Verspottung, unter Ausnutzung aller Möglichkeiten, die das aufkommende Internet bot.
Auf der monatlich angepassten Liste erschienen – in wechselnder Zusammmenstellung – insgesamt 74 Filmtitel, darunter neben so eindeutigen Exploitationstiteln wie Cannibal Holocaust (Italien 1980, Ruggero Deodato) oder Snuff (Argentinien/USA 1976, Michael Findlay u.a.) auch heute allgemein als Filmklassiker angesehene Werke wie The Exorcist (USA 1973, William Friedkin) oder Straw Dogs (Großbritannien/USA 1971, Sam Peckinpah). Noch heute stehen 13 Filme von der Nasty-Liste in Großbritannien auf dem Index.
Die britischen Video Nasties dienen bis heute als Lehrstück innerhalb (und außerhalb) akademischer Debatten um Zensurmaßnahmen gegenüber vermeintlichen Exzessen der Populärkultur und ihrer Industrie.

Literatur: "Video Nasty". In: Wikipedia; URL: http://en.wikipedia.org/wiki/Video_nasties [mit Filmliste]. – Barker, Martin (ed.): The Video Nasties: Freedom and Censorship in the Media. London: Pluto Press 1984. – Bryce, Allan: Video Nasties! From Absurd to Zombie Flesh-Eaters: A Collector's Guide to the Most Horrifying Films Ever Banned! Liskeard: Stray Cat 2004. – Egan, Kate: Trash or Treasure? Censorship and the Changing Meanings of the Video Nasties. Manchester: Manchester University Press 2007. – Martin, John: The Seduction of the Gullible: The Truth Behind the Video Nasty Scandal. Nottingham: Procrustes Press 1993. Mehrere Neuauflagen.
 

Referenzen