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vierte Gewalt

selten auch: „vierte Macht“, „publikative Gewalt“; engl.: fourth estate ; auch: watch-dog, watch-dog function (= Wachhund-Funktion)

Vierte Gewalt wird als informeller Ausdruck für die öffentlichen Medien, wie Presse und Rundfunk, verwendet – mit der politsystematischen Annahme, dass es in einem System der Gewaltenteilung eine vierte, virtuelle Säule gibt: Neben Exekutive, Legislative und Judikative sind es danach die Medien, die zwar keine eigene Gewalt zur Änderung der Politik oder zur Ahndung von Machtmissbrauch besitzen, aber durch Berichterstattung und öffentliche Diskussion das politische Geschehen beeinflussen können. Allerdings ist gegen diese medienethische Behauptung, Pressemedien seien in Demokratien als legitimes Sprachrohr der politischen Meinungs- und Willensbildung, schon früh Einspruch angemeldet worden: Einerseits wurde die Macht der Akteure (Regierungen, Großunternehmen, Parteien) als Beeinflusser oder Verzerrer der dargestellten Meinungsvielfalten benannt, andererseits die Effizienz professioneller Öffentlichkeitsarbeit (v.a. von Wirtschaftsunternehmen) und Propaganda (von politischen Akteuren wie Parteien, Kirchen etc.) als Kritikpunkt gegen eine allzu idealisierte Vorstellung der vierten Gewalt eingebracht. Ein drittes, immer wieder skeptisch benanntes Thema ist die ökonomische Abhängigkeit der Medien, ein Argument, das vor allem in der Diskussion eine generelle Liberalisierung der Medien und vor allem um die öffentlich-rechtliche Verfassung der Rundfunkmedien und ihre dadurch garantierte (zumindest partielle) Markt-Unabhängigkeit, eine Rolle spielt.

Literatur: Bergsdorf, Wolfgang: Die vierte Gewalt. Einführung in die politische Massenkommunikation. Mainz: v. Hase & Köhler 1980. – Graevenitz, Gerhart von (Hrsg.): Vierte Gewalt? Medien und Medienkontrolle. Konstanz: UVK 1999. – Cagé, Julia: Rettet die Medien. Wie wir die vierte Gewalt gegen den Kapitalismus verteidigen . München: C.H. Beck 2016.