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Zehn-kleine-Negerlein

im Dt. gelegentlich: Dezimations-Film; engl.: bodycount

Narratives Motiv, in dem nach und nach die Mitglieder eines Kollektivs umgebracht werden. Oft befindet sich die Gruppe an einem besonderen Ort. Als Klassiker gilt Agatha Christies Roman „Ten little Niggers or the Last Weekend“ (1939), der als And Then There Were None (USA 1945) von René Clair kongenial adaptiert wurde (Remakes: Ten Little Indians, Großbritannien 1965, George Pollock; Großbritannien [...] 1974, Peter Collinson; Desyat negrityat, UdSSR 1985, Stanislav Govorukhin; Death on Safari, USA 1989, Alan Birkinshaw; Suspicions; USA 1995, Michael Sperrazza). Meist geht es um Erbschaften, manchmal auch um Rache für alte Schmähungen, Angst vor dem Vergleich und ähnliches. Die Geschichten werden in einem trockenen und distanzierten Tonfall vorgetragen, in einer Mischung von Gruselgeschichte und Kriminalkomödie (wie z.B. in der Edgar-Wallace-Adaption Das indische Tuch, BRD 1963, Alfred Vohrer). Eine reine Komödie wie Who Is Killing the Great Chefs of Europe? (USA [...] 1978, Ted Kotcheff) ist im Motivkreis selten geblieben.
Im Splatterfilm hat sich eine neuere Variante entwickelt: Wenn hier eine Gruppe junger Leute in ein Waldcamp zieht, stellt sich von vornherein die Frage, in welcher Reihenfolge die Teilnehmer sterben werden und wer das final girl sein wird (man denke an die Halloween-Reihe oder an Nightmare on Elm Street, USA 1984, Wes Craven). Im übertragenen Sinne wird das Motiv auch als Strategie der Spannungssteigerung angesehen, wenn die Mitglieder einer Gruppe im Überlebenskampf nach und nach umkommen, so dass z.B. die Bedrohlichkeit der Lage (in einem Katastrophenfilm wie Poseidon, USA 2006, Wolfgang Petersen) unterstrichen wird.