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Zwischentitel: Formalismus

Die Manifestation von Schrift im Film erfüllt für die Formalisten verschiedene Funktionen: Die geschriebenen Worte fungieren als Kommentar der filmischen Darstellung; als solcher müssen sie den „realen Ablauf der inneren Rede aufnehmen, sie auf ihre Weise lenken und damit ihre Rezeption beeinflussen“ (Ejchenbaum). Der Einsatz von Schrift führt zugleich zu einer Segmentierung der filmischen Rede, die Tynjanov als „eine abstrahierte, in ihre Elemente zerlegte Rede“ bestimmt, in der das Geschriebene vom sichtbaren Sprechakt separiert ist. Schließlich verdeutlicht die Verwendung von Schrift im Film den Stellenwert beider Medien im Kunstsystem: Die Schrift gewinnt als projizierte einen neuen medialen Status. Das Verhältnis von Schrift und Bild im Stummfilm nimmt das kontrapunktische (Ejzenštejn) und asynchrone (Pudovkin) Verhältnis von Ton und Bild im Tonfilm vorweg. Der Formalismus erscheint damit als Vorreiter eines intermedialen Verständnisses von Film.