Lexikon der Filmbegriffe

Zeichentrickfilm: Geschichte

Schon 1906 gab es erste Zeichentrickfilme (Humorous Phases Of Funny Faces, J. Stuart Blackton). Der Zeichner Winsor McCay folgte mit Little Nemo (1908) und Gertie The Dinosaur (1909). 1914 gründeten Raoul Barre und Bill Nolan in New York das erste voll durchorganisierte Zeichentrickstudio, das 1927 allerdings wieder geschlossen wurde. Otto Messmer animiert nach dem Vorbild von Pat Sullivan von 1916 bis 1923 Felix the Cat und schafft damit den ersten Stummfilmstar des Zeichentricks. 1928 lag mit Steamboat Willie von Walt Disney und Ub Iwerks der erste Ton-Zeichentrickfilm vor. Serienfiguren waren schon in der Stummfilmzeit entstanden (wie z.B. Dave und Max Fleischers Figur Koko, 1925ff).1928 legten Disney und Iwerks den ersten Film mit Mickey Mouse vor, 1934 folgte Donald Duck: Das Zeitalter der Figuren, die für den animierten Film erfunden und erst später als Comic-Strip-Figuren ausgewertet wurden, hatte begonnen.
Erst in den 1930er Jahren begann sich der lange Zeichentrickfilm zu etablieren (Snow White and the Seven Dwarfs, 1937, Gulliver‘s Travels, 1939, Fantasia, 1940). Lange dominierten die Walt-Disney-Studios die Zeichentrickfilm-Produktion. Neben den oft eher niedlichen und versöhnlichen Streifen Disneys brachten aber die Zeichner von Warner Brothers und später vor allem MGM andere Töne zu Gehör: Da herrscht ein manchmal anarchisches semiotisches Spiel miteinander, mit der Realität und den Konventionen der Gattung. Vor allem die Filme Tex Averys sind bis heute berühmt geblieben. Neben ihm sind Friz Freleng, Chuck Jones, William Hanna und Joseph Barbera zu erwähnen – letztere können für die Filme über Tom und Jerry mehrere Oskars erringen. 1957 schließen MGM und Warner ihre Trickstudios. Ein gegenüber der Tradition deutlich vereinfachter und auch inhaltlich schlichterer Stil dominiert für viele Jahre die amerikanische Trickfilmproduktion, die sich immer mehr ins Fernsehen verlagerte und heute mit den Simpsons ganz neue Publika für den animierten Film gewinnt.

Literatur: Solomon, Charles: The History of Animation. New York 1989. – Maltin, Leonard: Of Mice and Magic. A History of American Animated Cartoons. New York 1987. – Adamson, Joe: Tex Avery: King of Cartoons. New York 1975.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


Zurück