Lexikon der Filmbegriffe

Bildwissenschaft

Im Unterschied zur allgemeinen Sprachwissenschaft hat sich derzeit eine allgemeine Bildwissenschaft noch nicht etabliert. Es gibt Bildwissenschaften im Plural, etwa die Kunstgeschichte oder die Kartografie, eine Bildwissenschaft im Singular wäre aber eine Wissenschaft, die sich nicht nur teilweise mit Bildern oder nur mit Teilbereichen der Bildthematik beschäftigt, sondern ihren Gegenstandsbereich ganz ausschließlich und erschöpfend in den verschiedenen Bildphänomenen findet. Dies scheint nur interdisziplinär möglich zu sein, so dass eine allgemeine Bildwissenschaft wesentlich in der Rahmenkonzeption bestehen wird, mit der die verschiedenen disziplinären Perspektiven aufeinander bezogen werden (können). Gegenwärtig lassen sich vor allem in der Kunstgeschichte und in der Philosophie Bemühungen um die konzeptionellen Grundlagen einer allgemeinen Bildwissenschaft ausmachen (vgl. Boehm 1994, Sachs-Hombach & Rehkämper 1998 oder Belting 2001).
Eines der Probleme einer allgemeinen Bildwissenschaft liegt in der mangelnden Bestimmtheit des Bildbegriffs. So wird der Ausdruck „Bild“ umgangssprachlich in sehr unterschiedlichen Zusammensetzungen verwendet, z. B. ist die Rede von Sprachbildern, mentalen Bildern, natürlichen Bildern, Menschenbildern, Urbildern, Weltbildern, Vorbildern oder Idealbildern. (vgl. auch Scholz 2000). Ein weiteres Problem liegt in den konkurrierenden Bildtheorien, die verschiedene Wissenschaftskonzeptionen nahe legen. Bilder werden entweder mit Blick auf die Semiotik primär als spezielle Zeichen verstanden oder aber mit Blick auf psychologische Theorien sehr eng an spezielle Wahrnehmungsphänomene gebunden. Bei den zeichentheoretischen Ansätzen dominiert teilweise das Bemühen um eine Übertragung der sprachwissenschaftlichen Termini, teilweise stehen Fragen einer kognitivistischen Ästhetik im Vordergrund (vgl. Goodman 1968). Die perzeptuellen Bildtheorien betonen dagegen anhand entsprechender Bildeffekte die semantischen Besonderheiten des Bildhaften und weisen oft eine Orientierung an der Phänomenologie auf (vgl. Boehm 1994).

Literatur: Belting, Hans: Bild-Anthropologie. Entwürfe einer Bildwissenschaft. München: Fink 2001. – Boehm, Gottfried (Hrsg.): Was ist ein Bild? München: Fink 1994. – Goodman, Nelson: Languages of Art. An Approach to a Theory of Symbols. Indianapolis: Hackett 1968. – Sachs-Hombach, Klaus: Bildbegriff und Bildwissenschaft. Saarbrücken: Verlag St. Johann 2001. – Sachs-Hombach, Klaus: Wege zur Bildwissenschaft. Interviews. Köln: Herbert von Halem Verlag 2004. – Sachs-Hombach, Klaus / Rehkämper, Klaus (Hrsg.): Bild, Bildwahrnehmung, Bildverarbeitung. Interdisziplinäre Beiträge zur Bildwissenschaft. Wiesbaden: DUV 1998. – Scholz, Oliver R.: Bild. In: Ästhetische Grundbegriffe. Historisches Wörterbuch in sieben Bänden. 1. Hrsg. v. Karlheinz Barck u.a. Stuttgart: Metzler 2000, S. 618-669.

Referenzen:

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Artikel zuletzt geändert am 27.04.2014


Verfasser: KSH


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