Lexikon der Filmbegriffe

Fußballfilm: Fußball-Spielfilm

Die Anerkennung des Fußball-Spielfilms als eines eigenständigen Genres war lange Zeit umstritten – dies dauerte ähnlich lange wie hinsichtlich der übergeordneten Kategorie des Sportfilms (Hilmar Hoffmann, Hans C. Blumenberg). Dabei weist der Fußball-Spielfilm ebenso fußball-spezifische Handlungsmuster auf, wie sich der Fußball als Milieu auch mit so gut wie jedem arrivierten Genre des populären Films kompatibel zeigt. Die Bandbreite an Sujets ist weit gesteckt: biopics großer Stars (O rei Pelé, 1963; Best, 2000), Mannschafts­dramen (Das große Spiel, 1942), Fangeschichten (Fever Pitch, 1997; Fußball ist unser Leben, 1999) etc. Spezielle Topoi sind neben vielen anderen die Entführung eines Star-Spielers (schon 1911 in Harry the Footballer), die Problematik eines alternden Stars (Bloomfield, 1970), der Triumph des Underdogs (The Big Green, 1995), die übermäßige Fußballeiden­schaft von Kindern (Der neue Fimmel, 1960) sowie der Topos eines Mädchens in einer Jungsmannschaft (Ivana v útoko, 1963) – fast jeder Fußballspielfilm endet schließlich mit einem Entscheidungsspiel. Eine besondere Affinität zeigt der Fußball-Spielfilm vor allem zum Genre des Kriegsfilms (Két félidõ a pokolban, 1961; The Boys in Company C, 1978; Escape to Victory, 1981) – in erstaunlicher Häufung entstanden zudem Hundefußballfilme (Air Bud – World Pup, 2000; Didier, 1997; Soccer Dog, 1999). Gründe für die oft schlechte Reputation des Fußball-Spielfilms sind zum einen in der Problematik der authentischen Darstellung von Fußballszenen zu sehen (Schauspieler können selten Fußball spielen – Fußballer selten schauspielern). Zum anderen bevorzugt jeder Fußballfan die authentische Dramatik, die er vom Fußballplatz her gewohnt ist, gegenüber einer dramaturgischen Fiktionalisierung von Fußballspielen, deren Ausgang meistens schon lange vor dem Schlusspfiff absehbar ist.

Literatur: von Berg, Ulrich: Kino-Kicks. Ein Streifzug durch die Welt des Fußballfilms. In: Fußball als Kulturphänomen. Kunst – Kult – Kommerz. Hrsg. v. Markwart Herzog. Stuttgart: Kohlhammer 2002, S. 197-231 (Irseer Dialoge. 7.). – Schwab, Jan Tilman: Fußball im Film – Lexikon des Fußballfilms. München: Belleville 2004.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JTS


Zurück