Lexikon der Filmbegriffe

optische Täuschung

(1) Als optische Täuschung im weiten Sinn gelten Halluzinationen, Luftspiegelungen, durch Drogeneinwirkung veränderte Wahrnehmungen oder auch ganz allgemein die kontextsensitive Beschaffenheit der Sinnesempfindung.
(2) Optische Täuschungen im engen Sinne liegen vor, wenn eine Abweichung von der üblichen (physikalischen) Beschreibung des Wahrgenommenen sowie Diskrepanzen zwischen den unterschiedlichen Sinnesmodalitäten auftreten. Einen thematischen Schwerpunkt innerhalb der experimentellen Wahrnehmungsforschung bilden nur die dem Wahrnehmungssystem immanenten Täuschungen, also nicht die durch physikalische Randbedingungen verursachten (etwa der im Wasser geknickt erscheinende Stab). Hierzu zählen insbesondere die Raumtäuschungen (etwa der am Horizont vergrößert erscheinende Mond) und die geometrisch-optischen Täuschungen (etwa die Figuren von Müller-Lyer, Ponzo oder Lipps). Eine befriedigende Erklärung der optischen Täuschungen ist bisher nicht gelungen. Als gesichert gilt, dass sie unabhängig vom Denken, von der Augenbewegung und von den Netzhautprozessen sind. Vermutlich hängen sie von den Konstanzleistungen ab, die im engen Zusammenhang mit der Tiefen- und Entfernungswahrnehmung stehen und für den Ausgleich der standortbedingten Verzerrungen verantwortlich gemacht werden. Für die geometrisch-optischen Täuschungen wird etwa vermutet, dass ein geometrisches Gebilde auch ohne entsprechenden Darstellungskontext unwillkürlich als Darstellung einer dreidimensionalen Szene gesehen wird.

Literatur: Campenhausen, Christoph von: Die Sinne des Menschen. Einführung in die Psychophysik der Wahrnehmung. 2. Aufl. Stuttgart/New York: Georg Thieme Verlag 1993. – Gillam, Barbara: Geometrisch-optische Täuschungen. In: Spektrum der Wissenschaft: Wahrnehmung und visuelles System. 2. Aufl. Heidelberg: Spektrum der Wissenschaften 1987, S. 104-112. – Goldstein, E. Bruce: Wahrnehmungspsychologie. Eine Einführung. Heidelberg u. a.: Spektrum 1997.


Artikel zuletzt geändert am 19.07.2011


Verfasser: KSH


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