Lexikon der Filmbegriffe

Semiotische Bildtheorie

Die innerhalb der Philosophie gegen Ende des 19. Jahrhunderts (zunächst von Peirce und Morris) entwickelte semiotische Bildtheorie fasst Bilder als spezielle Zeichen auf. Nach diesem Bildbegriff werden Gegenstände nicht durch intrinsische Eigenschaften zu Bildern, sondern indem sie relativ zu bestimmten Zeichensystemen hinsichtlich der in diesen Zeichensystemen relevanten Merkmale rezipiert werden. Gegenwärtig erfährt ein solcher Bildbegriff besonders innerhalb der Ästhetik Beachtung. Als einflussreich haben sich vor allem die Arbeiten von Nelson Goodman erwiesen, die eine Neubestimmung der Bildtheorie im Rahmen einer allgemeinen Symboltheorie unternehmen.
Hinsichtlich des Zeichenbegriffs gibt es zwar zahlreiche Kontroversen, Einigkeit besteht aber zumindest darin, dass sinnvoll zwischen syntaktischen, semantischen und pragmatischen Aspekten unterschieden werden kann, auch wenn strittig ist, wie das Verhältnis der verschiedenen Ebenen zu denken ist. Goodman charakterisiert Bilder explizit mit den Begriffen der syntaktischen Dichte und relativen Fülle. Eine semiotische Theorie könnte darüber hinaus aber auch semantische Besonderheiten für Bilder geltend machen. Die von Peirce vertretene, von Goodman aber heftig kritisierte Ähnlichkeitstheorie liefert einen solchen Versuch, nach dem die Bedeutung eines Bildes, anders als bei sprachlichen Zeichen, unter Rückgriff auf bildeigene Merkmale bestimmt wird. Schließlich kann eine semiotische Theorie selbst auf pragmatischer Ebene Besonderheiten der Bilder annehmen, etwa indem sie für Bilder spezielle Verwendungskontexte oder spezielle Kommunikationsakte einräumt.

Literatur: Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. An Approach to a Theory of Symbols. Indianapolis: Hackett 1968. Dt.: Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie. Frankfurt: Suhrkamp 1995; repr. 1997. – Scholz, Oliver R.: Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellung. Freiburg / München: Alber 1991. – Steinbrenner, Jakob: Kognitivismus in der Ästhetik. Würzburg: Königshausen und Neumann 1996.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: KSH


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