Lexikon der Filmbegriffe

American Monomyth

Der Ausdruck wurde von Joseph Campbell (1904-1987) für einen Archetyp seiner psychoanalytischen Mythentheorie geprägt und von dem Religionswissenschaftler Robert Jewett und dem Rechtsphilosophen John S. Lawrence seit den 1970er Jahren propagiert. Er beschreibt im Grunde einen religionsphilosophisch beschreibbaren Grundzug der Geschichte der Vereinigten Staaten, dem zufolge die amerikanische Nation von Gott auserwählt sei und sich zumindest auf einem gottgefälligen Weg befinde. Damit verbunden ist das Gefühl der Verpflichtung, selbstlos auch anderen Menschen und Völkern zum recht verstandenen Glück verhelfen zu müssen, sowie die Gewissheit, dazu über die notwendigen, selbst erarbeiteten Mittel und Wege zu verfügen. Auf populären Erzählstoff bezogen handelt es sich dabei um Erlöser- bzw. Kreuzfahrer-Geschichten: Ein von außen kommender Einzelgänger befreit wie ein mythischer Cowboy eine meist völlig verängstigte, vom Bösen beherrschte und diesem gegenüber machtlose Gemeinschaft, indem er die Spielregeln bzw. Recht und Gesetz in seinem uneigennützigen Sinne verändert. Die Erlöserfigur kann ein selbstbewusster Machtmensch sein oder aber ein Jedermann, der sich seiner Sendung erst noch bewusst werden muss und darum zahlreichen Lektionen unterzogen wird. Der Mythos unterliegt auch der Konstruktion grundguter Superhelden in der Science Fiction wie Captain America, Superman, Batman, Spider-Man etc. Viele Filme, die den American Monomyth zelebrieren, sind in ihrem gesellschaftstheoretischen Kern undemokratisch bis faschistoid („Pop-Faschismus“).


Einige der Filme, die den American Monomyth bedienen bzw. sezieren, sind neben den Marvel Comics-Verfilmungen: Buffalo Bill and the Indians, or Sitting Bull’s History Lesson (USA 1976, Robert Altman), der Star Wars-Zyklus (USA 1977ff, George Lucas u.a.), Close Encounters of the Third Kind (USA 1977, Steven Spielberg), Rambo I-III (USA 1982-1988), Dune (USA 1984, David Lynch), Armageddon (USA 1998, Michael Bay).

Literatur: Brookey, Robert Alan / Westerfelhaus, Robert: Pistols and petticoats, piety and purity: To Wong Foo, the queering of the American monomyth, and the marginalizing discourse of deification. In: Critical Studies in Media Communication 18,2 (2001), 141-156. – Campbell, Joseph: The hero with a thousand faces. New York: Pantheon Books 1949 (Bollingen Series, 17.); dt.: Der Heros in tausend Gestalten. Frankfurt [...]: Insel 1999 [u.ö.]. – Jewett, Robert / Lawrence, John Shelton: The American monomyth. Foreword by Isaac Asimov. Garden City, NY: Anchor Press 1977; 2nd ed., Lanham, MD: University Press of America 1988. [Dazu: Renault, Gregory: The American monomyth. In: Catalyst 12, 1978, S. 58-66]. – Jewett, Robert / Lawrence, John Shelton: Captain America and the crusade against evil: the dilemma of zealous nationalism. Grand Rapids, Mich.: Eerdmans 2003.


Artikel zuletzt geändert am 16.07.2011


Verfasser: LK


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