Lexikon der Filmbegriffe

Charisma

Charisma ist ein ebenso inflationär gebrauchter wie unscharfer Begriff. Nicht jeder hat Charisma, aber wem man Charisma zuordnet, ist durchaus unklar. Will man „Charisma“ als Begriff retten und ihn nicht als allgemeine Bezeichnung von Prominenz gebrauchen, so kommt ihm neben der „Intensität der Ausstrahlung“ zumindest ein Symbolwert zu: Die charismatische Figur repräsentiert Wertewelten oder Glaubensgemeinschaften. Sie kann als Stellvertreter auftreten oder ein Prototyp dessen sein, wofür sie steht. Charisma ist den Auserwählten eigen, den Boten Gottes, den irdischen Inkarnationen einer höheren Instanz. Die charismatische Figur steht der Gemeinschaft derjenigen, die sie als Sendboten ansehen, gegenüber, Charisma ist ein relationaler Begriff. Nun ist Charisma eine kommunikative Tatsache, kommt weder der Person noch dem Kollektiv zu, sondern ist vielmehr „das intentionale Medium zwischen beiden“ (Soboth). Der Charismatiker ist in den Symboliken der Macht und der Gesandtheit inszeniert. Charisma wird zum propagandistischen Effekt, setzt nicht nur den Apparat der Medien voraus, sondern natürlich auch ein Kollektiv, das den Sendboten auch empfangen mag. An der charismatischen Figur lassen sich Bereitschaften von Kollektiven ablesen, Systeme von Hintergrundwerten sowie politische und religiöse Hoffnungen und Utopien zu akzeptieren. Ohne sein Kollektiv verliert der Charismatiker jene eigenartige Ausstrahlung, die sich so wenig an der Person selbst festmachen lässt. Insbesondere aufgrund der Stellvertretungscharakteristik genießen vor allem politische und religiöse Führerfiguren Charisma – Filmstars, Fernsehpersonae und Prominenten geht diese semantische Qualität ab.


Literatur: Soboth, Christian: Hitler – Inszenierung eines Charismas. In: Inszeniertes Charisma. Medien und Persönlichkeit. Hrsg. v. Jürg Häusermann. Tübingen: Niemeyer 2001, S. 129-153.

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Artikel zuletzt geändert am 17.01.2012


Verfasser: HJW


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