Lexikon der Filmbegriffe

expanded cinema

engl.: to expand – (sich) erweitern, ausweiten

Expanded cinema beschreibt alle synästhetischen Verfahren, die die Grenzen der herkömmlichen Filmprojektion überschreiten durch Mehrfachprojektion, Interaktionen zwischen Filmbild und Kinorealität, multimediale Experimente, Performance, Environments, Film-im-Film-Sequenzen etc. und somit andere Erlebnis- und Rezeptionsweisen eröffnen. Expanded cinema bezieht sich besonders auf die mediale Ebene des Films, will dessen Eigenschaft als Medium betonen und narrative und dramaturgische Spuren tilgen.
Bereits das Theaterstück In der Schreinerwerkstätte (1929) von Karl Valentin, das, hinter einem Gazevorhang gespielt und mit elektrischem Ton verstärkt, den Eindruck einer Filmprojektion erwecken will, wird zum expanded cinema gezählt. Performances der 1960er Jahre, in denen Darsteller auf der Bühne vielfältig mit dem Filmbild interagieren, bildeten die Hoch-Zeit des expanded cinema. In den 1980er Jahren ließ die deutsche Filmgruppe „Schmelzdahin“ Filmschlaufen während der Projektion durch chemische Bäder laufen, bis das Filmbild sich zersetzte. Im Theater haben Regisseure wie Robert Wilson oder Christoph Schlingensief mit dem Einsatz von Filmprojektionen als Bestandteil der Kulissen gearbeitet. 

Literatur: Youngblood, Gene: Expanded Cinema. New York: E.P. Dutton 1970. – LeGrice, Malcol: Abstract film and beyond. Cambridge, Mass./London: MIT Press 1977.
 

Referenzen:

4D-Filme

Aktionskunst

digitally expanded cinema

Environment

Film-Installation

Fluxus

Happening

Kinofizierung

Performance


Artikel zuletzt geändert am 19.10.2012


Verfasser: HM


Zurück