Lexikon der Filmbegriffe

Höhepunkt I: Erlebensform

Höhepunkt meint den Punkt der höchsten Intensität, den Kulminationspunkt. Ganz im Sinne der allgemeinen Bedeutung von Höhepunkt wird das Filmerleben durch ein intensivstes Höhepunkt-Ereignis abgeschlossen. Es ist sicher kein Zufall, dass auch der Orgasmus als Höhepunkt bezeichnet wird. Die Rede vom Höhepunkt könnte man als eine Metapher ansehen, die die Erlebensform der Sexualität auf die des Kinos überträgt. Rezeptionsverläufe haben danach eine orgiastische Struktur. Die Erlebensform eines Films ist ein Durchgang durch eine Serie von Höhepunkten, deren erlebte Intensität im Idealfall immer höher wird. Darum kann man auch von „ersten“, „zweiten“ und von „finalen“ Höhepunkten sprechen. Rezeption ist ein Wechselprozess zwischen Spannungs- und Entspannungsphasen, die in neue und dichtere Spannungsphasen übergehen. Diese modellhafte Vorstellung folgt grob der Annahme einer steigenden Handlung in der Dramaturgie Freytags. Es lassen sich fünf dergestaltige Funktionskreise isolieren: (1) Der kausale Höhepunkt schließt die Ereigniskette der Geschichte durch die Lösung des Problems ab; (2) der inhaltliche Höhepunkt ist die stärkste und spektakulärste Auseinandersetzung des Helden mit dem Antagonisten; (3) im kognitiven Höhepunkt wird die „Makrofrage“ des Zuschauers beantwortet; (4) am emotionalen Höhepunkt ist die höchste Intensität der Zuschauergefühle erreicht; (5) am viszeralen Höhepunkt ist die höchste Intensität der Sinneserfahrungen erreicht. Den einzelnen Funktionen korrespondieren entsprechende Typen der Steigerung.
Höhepunkt ist eine segmentale Größe: Nur Szenen, Szenenfragmente, Handlungen, Entscheidungen können Höhepunktcharakter erlangen, nicht aber durchgängige Charakteristiken eines Films wie die Farben, die Musik oder die Photographie. Auch diese Charakteristik weist ihn als Element einer Verlaufsform aus.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JE HJW


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