Lexikon der Filmbegriffe

Höhepunkt II: narratologische Auffassung

Der Höhepunkt ist dann erreicht, wenn Prot- und Antagonist gezwungen sind zu handeln. Der Höhepunkt ist hier der Moment der Entscheidung, den zentralen Konflikt auszutragen. Die Entscheidung, die in der Höhepunkts-Szene gefällt wird, ist eine Alles-oder-nichts-Entscheidung. In High Noon (1952) ist der Höhepunkt erreicht, wenn die Uhr zwölf schlägt und gleichzeitig der Pfiff der Lokomotive die Ankunft der Verbrecher ankündigt – weil der Held nun die Konfrontation mit den Gangstern aufnehmen muss und weil nun die Abwendung der Dorfbewohner definitiv geworden ist. Die Höhepunktsszene ist durch die strukturelle Höhe der Entscheidung, nicht durch die Art der szenischen Inszenierung oder durch das Maß der dramatischen Aktion ausgezeichnet.
Der Höhepunkt ist hier also struktural gefasst. Er steht scharf gegen die finale Konfrontation (der man den showdown und das shooting out noch zugesellen könnte). In Gunfight at the O.K. Corral (1957, John Sturges) ist nicht der Schusswechsel am Corral der Höhepunkt, sondern ein davor liegendes Ereignis: Wyatt Earps jüngerer Bruder ist von den Clantons niedergeschossen worden. Erst dieses Ereignis bewegt Earp dazu zu handeln und die Konfrontation mit der Clanton-Familie aktiv zu suchen. Der Höhepunkt ist in dieser Ansicht das Ereignis, das die finale Konfrontation auslöst, und damit Teil einer narrativen Schließungsgestalt, die Höhepunkt – finale Konfrontation – Lösung umfasst. Die Lösung darf darum keinesfalls mit der Klimax verwechselt werden.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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