Lexikon der Filmbegriffe

künstliche Menschenwesen

Der Wunsch nach Schaffung künstlicher Menschenwesen geht auf die antike Alchemie zurück und fasziniert die Menschheit seit jeher. Künstliche Menschen bilden einen Schöpfungsmythos, der sich wahlweise als Symbol des künstlerischen Aktes, als Tabubruch wider die Gottesgesetze oder als Realisierung ideeller, wissenschaftlicher Erkenntnisse verstehen lässt. In der literarischen Motivgeschichte lassen sich unzählige Beispiele für diese Lesarten finden: von der Figur des Prometheus bei Ovid (8 n.Chr.), der Männer und Frauen aus Lehm schafft und sie belebt, über die Golem-Sage des Talmuds (in zahlreichen Variationen des 14. bis 17. Jahrhunderts) bis zum Frankenstein-Stoff Mary Shelleys (1818).
Automaten, belebte Puppen, Marionetten, Homunculi, Retortenwesen, Androiden, Roboter, Wachsfiguren und Cyborgs bilden das Personal vieler historischer und zeitgenössischer Erzähl- und Filmstoffe. Die künstlichen Menschen üben darin eine ambivalente Faszination aus, erheben sich einerseits über den Mechanismus der natürlichen Zeugung, der darauf als primitiv erscheint. Andererseits können sie durch körperliche Überlegenheit oder eine erotische Fixierung ihren gleichwohl höherwertigen Schöpfern gefährlich werden. In verschiedenen Epochen bilden sich charakteristische Untermotive, bspw. in der Romantik das der Seelenlosigkeit und gesellschaftlichen Randstellung von künstlichen Menschen. Häufig versuchen diese – ohne letztlichen Erfolg – ihre Unzulänglichkeiten zu überwinden und sich ihren menschlichen Schöpfern anzugleichen.
Filmbeispiele reichen von Der Golem (1915, Henrik Galeen, Paul Wegener) über 2001 - A Space Odyssey (1968, Stanley Kubrick) bis zu The Terminator (1984, James Cameron) oder Edward Scissorhands (1990, Tim Burton).

Literatur: Frenzel, Elisabeth: Motive der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte. Stuttgart: Kröner 1999.

Referenzen:

Computer im Film

Computer im Film: Intelligenz, Bewusstsein, Episte mologie

Klone / Klonieren

Replikanten im Film


Artikel zuletzt geändert am 07.02.2012


Verfasser: HM


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