Lexikon der Filmbegriffe

Wachsfiguren / Wachsfigurenkabinett / Wachsmuseum im Film

Die Wachsfigur und das Wachsmuseum sind in drei Motiven dramatisiert worden: (1) Der Besitzer eines Museums zeigt sich als verhinderter Künstler oder als Wahnsinniger, der Wachs über seine Opfer gießt und sie als besonders gelungene Figuren ausstellt. Ein berühmtes Beispiel ist Michael Curtiz‘ Mystery of the Wax Museum (1932; Remake: House of Wax, 1953) über einen Bildhauer, der mittels der Konservierung lebendiger Menschen in Wachs überaus naturalistisch wirkende Plastiken erschafft. Erinnert sei an den eifersüchtigen Museumsbesitzer in Nightmare in Wax (1969), der alle Freunde der Angebeteten in Statuen umwandelt. (2) Im zweiten Typus der filmischen Wachsmuseen erwachen die Figuren zum Leben, aus den gefrorenen Szenen der Ausstellung werden Szenen einer Erzählung. Diese Motivgruppe schließt an die Geschichte der „lebenden Skulpturen“ an. Schon in Paul Lenis Stummfilm Das Wachsfigurenkabinett (1924) erfindet ein Schriftsteller romantische Geschichten zu Harun al Raschid, Iwan dem Schrecklichen und Jack the Ripper. (3) Gelegentlich entwickelt ein Akteur erotische Bindungen an eine Skulptur. So spielt Peter Cushing in einer Episode des Omnibusfilms The House That Dripped Blood (1970) eine Gentleman-Figur, die sich sterblich in eine attraktive Wachsfigur verliebt. In Buñuels Ensayo de un Crimen (1955) kann sich der Protagonist erst durch das Verbrennen einer Wachsfigur von seinen fetischistischen Obsessionen befreien.


Artikel zuletzt geändert am 18.07.2011


Verfasser: HJW


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