Lexikon der Filmbegriffe

Cinéma Beur

Kein Genre, sondern seit Mitte der 1980er Jahre eine Bewegung der aus dem Maghreb (Algerien, Marokko, Tunesien) nach Frankreich eingewanderten NordafrikanerInnen oder der in Frankreich geborenen Zweitgeneration. Zu den Hauptvertretern gehören junge Regisseure wie Mehdi Charef, Rachid Bouchareb, Abdelkrim Bahloul, Karim Dridi u.a. Im Zentrum ihrer Gesellschaftskritik stehen die problematischen Lebenszusammenhänge, in denen sich in Frankreich lebende junge AraberInnen befinden: Es geht um Adoleszenz in tristen Trabantenstädten, Arbeitslosigkeit und Jugendkriminalität, auseinander brechende Familien, Identitätsprobleme und Rassismus sowie Sucht und Drogen – d.h. um Minoritätsprobleme und Kulturkontraste, die sich aus den Folgen der Emigration ergeben. Der Tonfall dieses eigentlichen Immigrationskinos ist zornig oder ironisch, oft ungeduldig, und Schwierigkeiten werden direkt und ungeschönt beim Namen genannt – für beschauliche Sentimentalitäten ist selten Platz. Das hängt eng damit zusammen, dass die Hauptfiguren nahezu immer junge Männer sind und die Geschichten nicht frei von misogynen und homophoben Untertönen sind.

Beispiele: Le Thé au Harem d‘Archimède (Mehdi Charef, Frankreich 1985); Cheb (Rachid Bouchareb, Algerien/Frankreich 1991); Bye-bye (Karim Dridi, Frankreich/Schweiz 1995).

Literatur: Ruhe, Cornelia: Cinéma beur. Analysen zu einem neuen Genre des französischen Films. Konstanz: UVK 2006.


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: PB


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