Lexikon der Filmbegriffe

Farce I: Geschichte

frz., = ‚Füllsel‘, ‚Füllung‘; von lat. farcire ‚stopfen‘

Farce ist ein komischer Erzähl- und Darstellungsstil, der höchst unberechenbare Situationen, stereotype Figuren, extravagante Übertreibungen und oft rohe Körperkomik verschmilzt. Oft auch gebraucht als Bezeichnung für ein komisches Stück dieses Stils, dient Farce heute meist als Gattungsbezeichnung. Mit ihren oft kruden Charakteren und unplausiblen Handlungen galt sie von Beginn an als derb und profan, unintellektuell und ästhetisch zweitklassig, hat ihre Popularität aber seit dem Mittelalter nicht verloren. Nach antiken Vorbildern beginnt die moderne Geschichte der Farce als Einlage in mittelalterlichen Mirakel-, Mysterien- und Fastnachtsspielen, später dann zum selbständigen, possenhaften Spiel weiterentwickelt, diente es der Verspottung menschlicher Schwächen und Torheiten. Clowneskes und akrobatisches Spiel, karikaturenhafte Zeichnung der erzählten Welt, Grobheit und Indezenz gaben von Beginn an den Ton farcenhaften Spiels an. Im populären Theater des 19. Jahrhunderts überlebte die Farce, um in Music-Halls, Vaudeville-Theatern und Variétés neu aufzublühen. In großer Nähe zu den Traditionen der Commedia dell‘Arte wirkte die Tradition massiv in die frühe Filmkomik hinein. Die frühen Komödien Charlie Chaplins, die Geschichten der Keystone Cops und die aus einer Bühnenshow entwickelten Gags der Marx Brothers. Moderne Vertreter eines farcenhaften Stils sind Reihen wie die englische Carry-On-Serie, manche Filme Eddie Murphys oder auch Leslie Nielsens. Heute findet sich die Tradition der Farce auch in den komischen Formaten des Fernsehens.

Literatur: Bermel, Albert: Farce. A history from Aristophanes to Woody Allen. New York: Simon and Schuster 1982. – Nowak, Anneliese: Die amerikanische Filmfarce. München: TR-Verlagsunion 1991.


Artikel zuletzt geändert am 01.08.2011


Verfasser: HJW


Zurück