Lexikon der Filmbegriffe

Rotoskopie / Rotoskopie-Verfahren

engl.: rotoscopy; die Apparatur heißt rotoscope

Die ältesten Beispiele für Rotoskopien stammen von Max Fleischer aus dem Jahre 1915. Noch in den Coco the Clown-Cartoons der Gebrüder Fleischer Mitte der 1920er Jahre wurde die Titelfigur von photographischen Vorlagen abgepaust. Man unterscheidet zwei unterschiedliche Anwendungen: (1) Durch ein Rotoskop werden Bilder von einer realen Person, von Tieren oder Objekten einzelbildweise auf ein Zeichenbrett projiziert, so dass Umrisszeichnungen für Matte Paintings, für Masken und ähnliches gezeichnet werden können. Rotoskopie gehört darum zu den Verfahren der Kompositfotografie. (2) Im anderen Falle werden die projizierten Bilder einzelbildweise übermalt. Ursprünglich wurde dazu eine matte Glasscheibe verwendet, auf der der Zeichner den Bewegungsablauf abpausen konnte. In der Animationszunft ist die Rotoskopie wenig angesehen, seit sich in den 1930er Jahren ein graphischer Stil durchgesetzt hatte. Rotoskopisch entstandene Animationen galten darum als handwerklich minderwertig. Gleichwohl ist das Verfahren wohl regelmäßig angewendet worden – so soll etwa der Tanz Schneewittchens mit den Zwergen oder der Auftritt des Prinzen am Ende des Films rotoskopiert gewesen sein (Snow White and the Seven Dwarfs, 1937). Als eigener Stil wurde das Verfahren erst in den 1970er Jahren mit Filmen wie Ralph Bakshis Lord of the Rings (1978) nobilitiert und hat seitdem zu einigen bemerkenswerten ästhetischen Ausprägungen geführt (wie in Waking Life, 2001, Richard Linklater).


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: JH


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