Lexikon der Filmbegriffe

Rücklauf / Rücklauffilm / Rückwärtslauf / Rücklaufprojektion

engl.: reverse action, reverse motion; manchmal reverse printing, back-and-forth-printing

Filme können auch im Rückwärtslauf projiziert werden. Handlungsabläufe kehren sich dann um, die Handlungszeit dreht sich um, das Ende einer Aktion bildet ihren Anfang. Im Film ist diese technische Möglichkeit äußerst selten angewandt worden. Belege finden sich aber seit der frühen Stummfilmzeit. Maya Derens At Land (1944) beginnt mit Aufnahmen, in denen die Protagonistin aus den Wellen, die an den Strand schlagen, sich aufs Ufer rettet; die Bilder sind im Rückwärtslauf in den Film montiert, was einen ganz und gar eigenartigen, unstimmigen Eindruck ergibt. Oft sind die Effekte komisch – Spuren verschwinden im Sand, Teller füllen sich wieder, umgefallene Wände richten sich wieder auf. Besondere Bedeutung hat der Rücklauf in der Darstellung von Popmusik: Das Video Drop (um 1990) der Gruppe The Pharcyde ist ganz in Rückwärtslauf gedreht, was die Bilder irrealisiert und sie wie animierte Bewegungen erscheinen lässt. Ähnliche Effekte erzielte schon Richard Lester in dem Beatles-Film A Hard Day‘s Night (1964). Im Spielfilm ist Rücklauf nur dann verwendet worden, wenn er hochsignifikant ist. In Truffauts Les Mistons (1957) z.B. sind einige Bilder im Spiel der Kinder zeitverkehrt gesetzt, was zum einen einen reflexiven Impuls freisetzt, zum anderen das Spiel selbst als zeitlos qualifiziert. Der Titel von Claude Sautets Les Choses de la vie (1970) zeigt einen Unfall – der Rückwärtslauf des Unfalls dient als Einleitung in einen Flashback, der die Vorgeschichte des Unfalls erzählt. Filmische und erzählerische Repräsentation des Zurückgehens in der Zeit werden einander angenähert.


Artikel zuletzt geändert am 24.07.2011


Verfasser: JH


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