Lexikon der Filmbegriffe

Jeunesse dorée

frz. = ‚goldene Jugend‘

Meist als Bezeichnung von Jugendlichen gebraucht, die ebenso reich wie extravagant gekleidet sind. Die Bezeichnung stammt aus der französischen nachrevolutionären Zeit: Der Ex-Jakobiner Louis Freron hatte Jugendbanden von modisch gekleideten Jung-Jakobinern organisiert, die nach der Absetzung Robespierres politischen Terror ausbreiteten. Diese Banden wurden als jeunesse dorée bezeichnet. Der Name verselbständigte sich in den 1830er Jahren in England, verlor seine Assoziation mit gewalttätigen Jugendbanden und ist seitdem als Bezeichnung junger, reicher, meist konsumistisch orientierter Cliquen von Jugendlichen verbreitet. Vor allem im Film der 1950er Jahre bürgerte sie sich als eher sarkastische Bezeichnung einer reichen, sozial kaum verankerten, verantwortungslosen und oberflächlichen Jugendkultur ein, die in dieser wertenden Haltung bis heute gebraucht wird. Die am Ende meist moralisierenden Geschichten sind fast immer mit der Darstellung der Sinnlosigkeit eines Lebens im Nichtstun verknüpft. Les Tricheurs (Frankreich 1958, Marcel Carné) erzählt z.B. von einer Clique junger Leute, die zwischen Nichtstun, promisker Sexualität und Kriminalität hin- und herpendeln, bis sich einer aus der Runde mit einem Sportwagen umbringt. Meist wird auch Federico Fellinis La dolce Vita (1959) der Kulturkritik des sinnentleerten, nur noch auf Vergnügen ausgerichteten Lebens der jeunesse dorée zugerechnet, hier am Beispiel der jungen römischen High-Society der späten 1950er Jahre. 


Artikel zuletzt geändert am 19.07.2011


Verfasser: JH


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