Lexikon der Filmbegriffe

Continuity System

Insbesondere zur Regulierung der Raumabbildung haben sich im continuity system Hollywoodscher Prägung einige Regeln herausgebildet, die bis heute beachtet werden und eng mit dem Kontinuitätseindruck zusammenhängen. Die Zielvorstellung des continuity editing war dabei der „unsichtbare Schnitt“ und der „weiche Übergang“ von einem Bild zum nächsten. Im Französischen spricht man von découpage classique. Die Konventionen lassen sich als Regeln fassen:

(1) Zur Vermeidung des jump-cut muss die folgende Einstellung aus einer anderen Kameraposition und möglichst in einem anderen Ausschnitt erfolgen. Ein Wechsel des Kamerawinkels hat nach einer Daumenregel mindestens 30 Grad zu betragen, weil sonst die Veränderung des Winkels erfahrungsgemäß nicht ausreicht, um den Sprung innerhalb der beiden einander folgenden Bilder zu ‚kompensieren‘.
(2) Verbot des Achsensprungs: Zwischen den Akteuren einer Handlung wird eine imaginäre „Handlungslinie“ angenommen, die von den Kameras nicht überschritten werden soll. Bei Veränderung der Kameraposition zwischen zwei aufeinander folgenden Einstellungen darf die Aktionslinie, auf der sich die Personen bewegen, nicht überschritten werden, anderenfalls tritt Desorientierung durch Seitenverkehrung innerhalb der Bildfläche auf. Soll der Achsensprung vollzogen werden, wird oft ein Zwischenbild gesetzt, das den Übergang abmildert und eine Neuorientierung gestattet.
(3) Längere Szenen werden im Verfahren des coverage mit einem einzigen zusammenhängenden master shot durchgefilmt - es existiert also eine Totale der gesamten Szene. Der master shot bildet die Grundlage für die Montage und für die darauf abgestimmte Auflösung der Szene. Alle Teilaufnahmen des Geschehens sowie alle Inserts werden auf den master shot abgestimmt. Weil das master-shot-Verfahren so routinisiert ist, ermöglicht es eine sehr ökonomische und schnelle Drehweise.

Literatur: Thompson, Kristin: The Continuity System. In: The Classical Hollywood Cinema. Ed. by David Bordwell, Janet Staiger & Kristin Thompson. New York: Columbia University Press 1985, S. 194-213.

Referenzen:

180-Grad-Regel

30-Grad-Regel

Achsensprung

Anschluss: Auftritt / Abtritt

Bewegungsschnitt

Covern

Drei-Kamera-Verfahren

Handlungsachse

Kontinuität und Montage

master shot


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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