Lexikon der Filmbegriffe

Söldnerfilm / Söldner im Film

Das Exploitation-Genre des Söldner-Films erlebt seine Blütezeit Ende der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre. Im Mittelpunkt stehen Gruppen von moralisch und menschlich verrohten Söldnern, die entweder von Politikern oder Wirtschaftsbossen angeheuert werden oder auf eigene Rechnung arbeiten. Ihre Aufgabe besteht darin, in einem – oft nicht näher bezeichneten, auffallend oft in Afrika oder Südostasien lokalisierten – Feindesland Leute zu befreien, Waffenlager oder ähnliches zu zerstören, Regimes zu stürzen und ähnliches mehr, ohne dabei eine innere Bindung an die gestellte Aufgabe zu haben.
Eine ganze Reihe von Vorläufern des Söldnerfilms finden sich im Kriegsfilm (dazu rechnen The Dirty Dozen, 1966, Robert Aldrich, oder Play Dirty, 1969, André de Toth), manche Filme dramatisieren die Fremdenlegion (wie Biribi, 1971, Daniel Mosmann). Als erster Film des Söldnerfilm-Zyklus gilt Andrew V. McLaglens Wild Geese (1977), in dem eine Söldnergruppe einen schwarzen Politiker befreit, um im Auftrag eines Londoner Bankiers weiße Wirtschaftsinteressen zu sichern. Zahlreiche italienische Serienprodukte wie Scorticatelli vivi (mit den bezeichnenden deutschen Verleihtiteln Unternehmen Wildgänse, aka: Häutet sie lebend, 1978, Mario Siciliano), aber auch Politthriller wie The Dogs of War (Großbritannien 1980, John Irvin), der von einem Staatsstreich in Afrika erzählt, den Söldner durchgeführt haben, um die Platinvorräte des Landes für einen Großkonzern zu erobern, griffen diese Erzählmuster auf. Dazu rechnen aber auch amerikanische Produktionen wie Rambo II: First Blood Part II (1985, George P. Cosmatos), der davon erzählt, dass ein Vietnamveteran an den alten Kriegsschauplatz zurückkehrt und in einem blutigen Feldzug gegen die Ex-Vietkong US-Soldaten aus einem Gefangenlager befreit. Ein spätes Beispiel ist Il Triangolo della Paura (1988), der von einer Söldnergruppe erzählt, die auf der Suche nach einem Goldschatz in Kambodscha aufgerieben wird, deren Anführer sich aber an den europäischen Auftraggebern rächt.
Neben diesen spektakulären Action-Filmen finden sich wenige Filme wie Romuald Karmakars Dokumentarfilm Warheads (1989-92), der versucht, das Selbstverständnis, die Beziehungen zwischen Söldnern und Auftraggebern, moralische Aspekte des modernen Söldnertums auszuloten. 
 

Referenzen:

Fremdenlegion im Film


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: JH


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