Lexikon der Filmbegriffe

Kinemacolor

Im November 1906 patentierten die englischen Filmpioniere Charles Urban und G.A. Smith ein additives Zweifarbenverfahren unter dem Namen Kinemacolor. Schon 1899 hatte der Erfinder Edward Turner ein Dreifarbensystem konzipiert, welches er an Urban verkaufte, doch es gelang erst in den 1930er Jahren, funktionierende Dreifarbensystem zu entwickeln. Da Turner 1903 starb, stellte Urban den Filmemacher G.A. Smith ein, der nach dreijähriger Arbeit ein Zweifarbensystem entwickelte. Mit einer sich drehenden rotgrünen Filterscheibe belichtete die Kamera jeweils abwechselnde schwarzweiße Kader bei doppelter Geschwindigkeit (32B/S). In der Projektion (auch mit 32B/S) wurden jeweils zwei schwarzweiße Bilder durch rote und grüne Filter projiziert, so dass sie den Eindruck eines Farbbildes erzeugten. Am 1.5.1908 wurde Kinemacolor in London der Presse vorgestellt.
Ein Jahr später gründete Urban die Natural Color Kinematograph Company, um Kinemacolor wirtschaftlich auszuschlachten. Da zu schnelle Bewegungen einen rotgrünen Randschatten erzeugten, wurde Kinemacolor hauptsächlich bei grossen staatlichen Zeremonien eingesetzt: beim Begräbnis von Edward VII (1910), der Krönung von George V (1911), der Investitur vom Prinzen von Wales (1911) und ähnlichem. The Delhi Durbar (die Krönung Georgs V in Indien, 1912) lief zweieinhalb Stunden, begleitet von Riesenorchester und Dudelsacktruppe, und war Urbans größter finanzieller Erfolg.
Doch zwei Jahre später musste Urban Konkurs anmelden. William Friese-Green, der sein eigenes Farbsystem Bicolour vermarkten wollte, hatte im Dezember 1913 Einspruch gegen die Patente von Urban erhoben. Obwohl die Richter Urban zunächst Recht gaben, entschied ein höheres Gericht im März 1914 gegen Urban, ein Spruch, der vom House of Lords ein Jahr später bestätigt wurde. Urban hatte behauptet, seine Farben seien „natürlich“, doch die Lords stellten fest, seine Rotgrün-Projektion könne keine blauen Farbtöne wiedergeben. 

Literatur: http://www.widescreenmuseum.com/oldcolor/kinemaco.htm


Artikel zuletzt geändert am 03.03.2012


Verfasser: JCH


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