Lexikon der Filmbegriffe

Simpliziade

Im Anschluss an Grimmelshausens Simplicissimus (1668) entstandene Form des Schelmen- und Abenteuerromans, in der ein einfältiger Mensch in das Welttreiben hineingezogen wird. An seiner Figur lässt sich die Eitelkeit, aber auch die Sinnlosigkeit des Geschehens studieren. Die Figur des Simplex bildet das Zentrum aller Bewegungen des Staunens, aber auch der Bitterkeit und der Empörung, die er auslöst. Die Strategien der Simpliziade sind besonders dann angewendet worden, wenn die Übermächtigkeit der äußeren Geschichte gegenüber dem Schicksal des einzelnen gezeigt werden sollte. Dazu gehört die zufällige, durch höhere Macht veranlasste Reise durch die Existenzweisen der Zeit. Ein Beispiel ist Le 25ème Heure (Frankreich 1966, Henri Verneuil), in dem Anthony Quinn einen rumänischen Bauern spielt, der zunächst als Jude deportiert, dann als rumänischer Agent in Ungarn aufgegriffen, als ungarischer Fremdarbeiter nach Deutschland abgeschoben wird, dort in ein Lager gerät, als Vorzeige-Arier schließlich in der SS dient, als Widerstandskämpfer flieht, dem in Nürnberg der Prozess gemacht und der eher zufällig freigesprochen wird und nach elf Jahren seine Frau und Kinder wiedersieht.

Referenzen:

ingénue

Naivität im Film


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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