Lexikon der Filmbegriffe

VistaVision

Das VistaVision genannte Breitbildverfahren war 1954 für Paramount patentiert worden. John R. Bishop, der Leiter der Kamera-Abteilung bei Paramount, kaufte eine von Fox in den 1920er Jahren entwickelte Farbkamera, die mittels Filter zwei Kader gleichzeitig belichtete. Er schnitt das Zwischenstück heraus, drehte die Kamera auf die Seite und konnte mit einem 35mm Objektiv dann seine Bilder auf einen normalen 35mm-Film im horizontalen Bildlauf aufnehmen. So erreicht die VistaVision „Lazy 8-Kamera“ ein Kader-Negativ (8 Perforationslöcher) annähernd im Kleinbild-Format (37,9x25,1mm) – ein fast zweieinhalbmal größeres Bild, als im herkömmlichen Verfahren zu erzielen war. Paramount gab der Mitchell Company den Auftrag, eine VistaVision-Kamera zu bauen, genannt „Elephant Ear“, die äußerst leise war. Gleichzeitig entwickelte die Century Projector Corp. einen VistaVision-Projektor, der tatsächlich für roadshows eingesetzt wurde. Der Film lief horizontal von rechts nach links, bzw. von unten (Speiserolle) nach oben (Aufnahmespule). Doch die Kinobesitzer streikten wegen der Mehrkosten. Zudem stellte sich heraus, dass das Bild um 90 Grad gedreht und linear verkleinert werden konnte und sich dennoch eine ausgezeichnete Auflösung auf einer Riesenleinwand ergab. VistaVision-Kopien wurden also im Seitenverhältnis von 1,66:1 projiziert und zeichneten sich durch äußerst feine Körnung und hohe Brillanz aus. Im Jahre 1957 brachte die englische Firma Rank ein anamorphotisches VistaVision-Verfahren heraus, das im Seitenverhältnis von 1,85:1 projiziert wurde.
Das Verfahren wurde 1954 mit dem Film White Christmas vorgestellt. Weitere Filme waren die Paramount-Produktionen The Ten Commandments (1956), Gunfight at the OK Corral (1957) oder auch One-Eyed Jacks (1961). Alfred Hitchcock realisierte insgesamt fünf Filme in VistaVision, darunter Vertigo (1958) und North by Northwest (1959), weil ihn die visuelle Brillanz des Systems überzeugte. Nach 1962 spielt VistaVision keine Rolle mehr. In den 1970ern begannen sich aber Special-Effects-Experten für die VistaVision-Kameras wegen ihrer hohen Auflösung zu interessieren und setzten sie oft für Effekt-Fotografie ein. George Lucas filmte z.B. viele special effects der ersten Starwars-Filme mit VistaVision-Kameras.

Literatur: http://www.widescreenmuseum.com/widescreen/wingvv1.htm


Artikel zuletzt geändert am 18.01.2012


Verfasser: JCH JH


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