Lexikon der Filmbegriffe

Musikvideo

oft auch: Promovideo, Videoclip; engl.: music video, promotional video

Allgemeindefinitionen oder Klassifikationen des Musikvideos (etwa in Absetzung zu Musikkurzfilmen wie Sergeant Pepper von den Beatles) wurden in der Forschung letztendlich verworfen. Minimal definiert lässt sich von einer technisch vermittelten Darstellung einer Musiknummer der Pop- und Rockmusik sprechen (zunehmend auch von anderen Stilrichtungen der Musik), sei es als Aufzeichnung einer live performance, sei es als Integration von Text-, Ton- und Bildmaterial, wobei die musikalische Vorlage immer die Grundlage der Montage bildet und die Einheit des Textes definiert – die Grenzen des Musikstücks sind in aller Regel die Grenzen des Musikvideos. Komplexere Definitionen berücksichtigen die technischen und formatkonstituierenden Vorläufer: Schon im 19. Jahrhundert wurde nach visuellen Wegen der Musikpräsentation gesucht. Edisons „Kinetophone“ projektierte ein frühes „Musikfernsehen“; in den USA der 1940ziger Jahre ermöglichte bereits das „Soundie“ (eine Art visueller Jukebox) das Abspielen von Musik mit Schwarz-Weiß-Bildern; um 1960 wurde dies mit den „Scopitones“, die eine Auswahl an Werbefilmen für Musikstücke boten, noch verfeinert. Als erstes Musikvideo wird in der Forschung häufig Queens Clip zu Bohemian Rhapsody (1975) – weil die Kosten der Postproduktion die eines konventionellen Konzertfilms überstiegen – oder Video Killed the Radio Star von den Buggles (1981)genannt, mit dem MTV seinen Sendebetrieb aufnahm.
Die Bewerbung des Künstlers bzw. der Musik mag bis heute das systemisch-ökomomische Hauptziel der promotional clips sein, der allerdings ein starkes Schauinteresse der Fans (von Bands, Musikrichtungen etc.) zur Seite stand. Die Bedeutung der Musik-TV-Sender ist heute zu einer Marginalie geworden – mit der Etablierung von Plattformen wie YouTube hat sich die verbliebene Videodistribution und Rezeption zunehmend ins Internet verlagert. Aufgrund andauernder juristischer Konflikte zwischen YouTube und der GEMA werden Videos in Deutschland vermehrt auf Label- und Künstlerseiten sowie alternativen Plattformen wie tape.tv rezipiert.

Literatur: Keazor, Henry  [#SYMBOL  \f "Symbol"188] (Hrsg.): Imageb(u)ilder. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Videoclips. Münster: Telos Verlag 2011. – Keazor Henry [#SYMBOL  \f "Symbol"188] (Hrsg.): Video thrills the radio star. Musikvideos: Geschichte, Themen, Analysen. Bielefeld: Transcript 2005. Mehrere Neuaufl. – Neumann‑Braun, Klaus (Hrsg.): Viva MTV! Popmusik im Fernsehen. Frankfurt: Suhrkamp 1999. – Neumann‑Braun, Klaus / Mikos, Lothar: Videoclips und Musikfernsehen. Eine problemorientierte Kommentierung der aktuellen Forschungsliteratur. Berlin: Vistas 2006. 

Referenzen:

Musikclip / Musikvideo

Musikclip / Musikvideo: Ästhetik

Musikclip / Musikvideo: Formen

Musikclip / Musikvideo: Spartenkanäle

Scopitone


Artikel zuletzt geändert am 30.07.2012


Verfasser: MD


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