Lexikon der Filmbegriffe

Direct Cinema

In den USA entwickelten Robert Drew, Richard Leacock, D.A. Pennebaker und Albert Maysles anfangs der 1960er Jahre einen Stil, den sie Direct Cinema, Living Cinema (Leacock, Drew) oder Uncontrolled Cinema (Leacock) nannten. Ursprünglich war das Direct Cinema ein Projekt, neue Formen des Fernsehdokumentarismus zu entwickeln: Die Filmemacher beobachteten Vorgänge, ohne in sie einzugreifen. Die Filme folgender einer stereotypen Grundstruktur: Ein aktiver, positiv besetzter Protagonist bewährt sich in einer Krisensituation, oft einer Art von Wettbewerb wie Autorennen und Wahlkampf. Die dramatische Struktur ist in der vorfilmischen Situation angelegt. In The Chair (1962) kämpft ein Anwalt darum, dass ein zum Tode Verurteilter zu lebenslänglicher Haftstrafe begnadigt wird. Manche Situationen sind per se öffentlich – Wahlkampf in Primary (1960), Autorennen in On the Pole (1961) und Eddie (1961) oder Footballspiele wie in Football (1961). Aus der Programmatik des Direct Cinema sind auch die zahlreichen Rockumentaries entstanden. Das Direct Cinema ist international rezipiert und weitergeführt worden (in Deutschland z.B. durch Klaus Wildenhahn). Die vielleicht konsequenteste Fortführung stellen die Arbeiten von Frederick Wiseman dar (Titicut Follies, 1967; Hospital, 1971; Near Death, 1993). 

Literatur: Stephen Mamber: Cinéma vérité in America: Studies in uncontrolled documentary. Cambridge, Mass./London: The MIT Press 1974.
 

Referenzen:

Uncontrolled Cinema

Fly-on-the-Wall


Artikel zuletzt geändert am 17.01.2012


Verfasser: TB


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