Lexikon der Filmbegriffe

Authentizität

griech.: authèntikos = ‚gültig‘, ‚echt‘, ‚glaubwürdig‘

Beglaubigung eines Schriftstücks durch den Verfasser oder dessen Stellvertreter. Im Spätmittelalter erlangten Bibelabschriften den Status des Originären und Verbürgten, indem sie mit dem Siegel hoher kirchlicher Würdenträger versehen wurden. Authentizität ist folglich keine Eigenschaft (des Dokuments), sondern eine ihm (institutionell) verliehene Äußerlichkeit.
Im Film kann ein dargestellter Gegenstand Glaubwürdigkeit erlangen und den Eindruck von Echtheit erwecken durch formale Darstellungsmittel (Sprache, Bild, Ton, Körper, Diskurs). Authentizität wird so zum Effekt medialer Darstellungen und ist nicht als Qualitätskriterium zu verstehen, das einer Darstellung vorausgeht und dieser Wahrhaftigkeit verleiht. Grundlage für das Herstellen von Authentizität ist das Einhalten von Glaubwürdigkeitsparametern, die dem historischen Kontextwissen des Rezipienten entsprechen, so dass der „Wahrnehmungsvertrag“ zwischen Produzent und Konsument im Sinne des authentischen Empfindens eingelöst wird. Relevant hierbei ist der Eindruck des Unmittelbaren, den die authentische Darstellung erzielen muss, indem sie ihren Charakter als Dargestelltes leugnet.

Literatur: Hattendorf, Manfred: Dokumentarfilm und Authentizität: Ästhetik und Pragmatik einer Gattung. Konstanz: UVK 1994. – Berg, Jan / Hügel, Hans-Otto / Kurzenberger, Hajo (Hrsg.): Authentizität als Darstellung. Hildesheim: Universität Hildesheim 1997 (Medien und Theater. 9.).
 

Referenzen:

Authentischer Fall


Artikel zuletzt geändert am 25.06.2012


Verfasser: HM


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