Lexikon der Filmbegriffe

Expeditionsfilm

Die Erforschung der Welt mit der Filmkamera beginnt mit der Geburt des Kinos, als Louis Lumière 1896 seine Kamamänner in aller Welt schickt, um exotische Szenen in fernen Ländern aufzunehmen. Die ersten abendfüllende Expeditionsfilme entstehen Mitte der 1910er Jahre, aufgenommen nördlich des Polarkreises (Alaska-Siberian Expedition, 1912), am Südpol (Scott’s Antarctic Expedition, 1913) und im Amazonasbereich (Captain Beasily Expedition, 1914). In den 1920er Jahren wird der Expeditionsfilm besonders von der Ufa-Kulturfilm-Abteilung gepflegt: Am Rande der Sahara (1930) ist einer der ersten Ufa-Tonfilme und einer ihrer größten Erfolge. Kalbus (1935) zählt auch Spielfilme wie etwa Milak, der Grönlandjäger (1927) und Romper, der Tiermensch (1928) zum Genre. Da die Expeditionen oft für die Kamera inzeniert wurden, verwischten sich die Grenzen zwischen Dokumentar- und Spielfilm ohnehin, so auch in Sven Nolands Das grosse Eis (1936) oder Curt Oertels Land am Nil (1950). In Frankreich wurden u.a. unter Sponsorenschaft von Citroën La croisière noire (1926) und La croisière jaune (1935) gedreht, auch Voyage au Congo (1927) war ein großer ein Erfolg. All diesen Filmen gemein ist der touristische (und imperialistische) Blick der Europäer auf die „primitive“ Dritte Welt. Diese Tradition zieht sich bis in die Zeit der BRD hinein mit Filmen wie Dämonisches Afrika (1952) oder Hans Schomburgks Mein Abschied von Afrika (1958). Heute werden Expeditionsfilme vornehmlich als Breitwanderfahrung im IMAX-Kino (Beispiel: China: The Panda Adventure, 2001) oder im Fernsehen auf dem Discovery Channel gezeigt. 


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JCH


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