Lexikon der Filmbegriffe

Gestaltwandler I: Lykantrophie

engl.: shapeshifter

Ursprünglich ein Konzept der Mythologie, bezeichnet der Gestaltwandler einen Menschen, der sich in wilde Tiere verwandeln kann (oft auch griech. ‚Lykantrophie‘). Manchmal ist diese Gabe willentlich zugänglich, manchmal kommt es nur unter bestimmten Bedingungen zum Gestaltwandel (Vollmond, Gefahr etc.). Die wohl bekannteste einzelne Figur des Gestaltwandlers ist der Werwolf, die eine Fülle eigener Geschichten regiert. Wolfen (1981, Michael Wadleigh) ist ein Versuch, das Konzept in einer mythologischen Horrorgeschichte auszuspinnen, Wolf (1993, Mike Nichols) eine Liebesgeschichte, die die Fähigkeit zum Wandel als Form der Entgrenzung und Verabsolutierung der Begierde ansieht.
Insbesondere im Märchen tauchen zahlreiche Gestaltwandler auf, die manchmal durch den Fluch einer bösen Kreatur im Leib des Tieres existieren müssen, manchmal auf eigenen Wunsch in tierische Gestalt übergegangen sind. Oft ist es die Kraft der Liebe, die den Gestaltwandel rückgängig macht und die Wandler in ursprüngliche Menschen zurückverwandelt. La Belle et la Bête (1946, Jean Cocteau) erzählt von einem Prinzen, der nur unter der Freundlichkeit und am Ende Liebe einer Prinzessin sein tierisches Äußeres verändert. Eine fatale Doppelwandlung ist in Ladyhawke (1985, Richard Donner) aufzuheben – die Frau ist verflucht, sich bei jedem Sonnenaufgang in einen Falken zu verwandeln, der Mann wird dagegen bei Sonnenuntergang zu einem Wolf.
Außerhalb derartiger märchenhafter Kontexte ist Gestaltwandel eine Exzessform. Insbesondere The Mask (1994) spielt die Sensationalität und die orgiastischen Potentiale des Gestaltwandels extrem aus, dabei die reale Welt in die Figurenwelten der Cartoons erweiternd.

Referenzen:

Werwolf


Artikel zuletzt geändert am 01.08.2011


Verfasser: JH


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