Lexikon der Filmbegriffe

Kulturfilm: Ufa-Kulturfilmabteilung

Offiziell wurde die Kulturfilmabteilung der Ufa am 1.7.1918 gegründet, um Kriegspropagandafilme zu drehen. Dabei übernahm sie das Material des im Kriegsministerium angesiedelten Bild- und Film-Amtes (Bufa). Major a.D. Ernst Krieger wurde der erste Leiter. Thema der ersten eigenständigen Produktionen wurden die Folgen des im November beendeten Krieges. Dr. med. Nicholas Kaufmann von der Charité dreht medizinische Filme, Ulrich K.T. Schulz Tierfilme. Die Filme liefen als Beifilm-Programm. Die Kulturfilmabteilung war nach Töteberg „die Experimentierbude der Ufa.“ Im Jahre 1924 drehte die Abteilung ihren ersten Langfilm (Wege zu Kraft und Schönheit), der sogleich ein finanzieller Hit wurde. Auch G.W. Pabsts psychoanalytischer Spielfilm Geheimnisse einer Seele (1926) entstand unter dem Banner der Ufa-Kulturfilmabteilung. Bis 1945 entstehen Tausende von Lehrfilmen; aber auch Propagandafilme im Dienste der NSDAP wurden hergestellt, da nach 1933 ein Kulturfilm laut Reichsverordnung Pflichtübung bei jeder Spielfilm-Vorstellung war. 1934 übernahm Carl Neumann die Leitung des Kulturfilmreferats im Propagandaministerium, um jeden Film einer Vorzensur zu unterwerfen und die Interessen der Partei zu gewährleisten. Im August 1940 wurde sogar eine Deutsche-Kulturfilm-Zentrale eingerichtet, die bei der Ufa aber nur business as usual bewirkte: Sie drehte Wehrtüchtigungsfilme wie Pimpfe lernen fliegen.

Literatur: Töteberg, Michael: Wie werde ich stark. Die Kulturfilmabteilung der Ufa. / Im Auftrag der Partei. Beides in: Das Ufa-Buch. Frankfurt: Zweitausendeins 1992, S. 64ff bzw. 438ff.


Artikel zuletzt geändert am 31.07.2011


Verfasser: JCH


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