Lexikon der Filmbegriffe

Montage

(1) Montage wird manchmal im handwerklichen Sinne als „Schnitt“ verstanden: Es geht dann um die mechanische Zusammenstellung und das Aneinanderfügen von Bild- und Tonsegmenten.
(2) Die mechanische Seite des Prozesses ist streng zu unterscheiden vom kreativen Akt der Anordnung der Teile des Films, der Entwicklung der äußeren und inneren Gestalt des Werks aus seinen Bausteinen unter Berücksichtigung der Wirkungen in der Rezeption. Montage in diesem theoretischen Sinn beschreibt die Leistungen, die das Aneinanderfügen von Bildern und Tönen im Aufbau des Films als Werk, als Kommunikationsmittel, in der Rezeption etc. hat. Durch Fragmentation (découpage) der profilmischen Realität in einzelne Aufnahmen erhält man das Ausgangsmaterial, das bei der Montage im engeren Sinne, also beim Zusammenfügen von Aufnahmen, zu Ganzheiten der Aussage kombiniert werden. Die Koordination mit der Erzählung bildet in der Regel den sinnhaften Rahmen – die Montage ist dem Vorgang des Erzählens untergeordnet (man erzählt einen Film, indem man ihn montiert).
Manchmal wird das Material in einen kontinuierlichen Zusammenhang gebracht, manchmal sind es die Brüche und Kontraste zwischen den Elementen, die Bedeutung hervorrufen: Pudowkins Auffassung war eher an Kontinuität orientiert, die einzelnen Einstellungen greifen ineinander wie die Glieder einer Kette. Die Bilder der Folge sind wie Frage-Antwort-Ketten zu denken – die erste Aufnahme wirft eine Frage auf, die von der zweiten beantwortet und in eine nächste Frage übergeleitet wird. Dagegen steht das Konzept der „Kollision“ der Einstellungen bei Eisenstein, der „Zellen“, die in der Montage zu höheren organischen Ganzheiten zusammengefügt werden. Hier hat man es mit einem dynamischen Neben- und Gegeneinander verschiedener Einstellungen zu tun, das die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich selbst lenkt und ihn anregt, Schlussfolgerungen zu ziehen. Der Aufbau von Konflikten und Kontrasten wird in ein dialektisches Verhältnis der Einstellungen zueinander umgesetzt.
Das größte Problem der Montage ist die Frage nach der Kontinuität, die sich trotz der Differenz der einzelnen Bilder einstellt. Die wohl mächtigste Bindung zwischen Einstellungen ist das Handeln der Akteure – es schafft einen Fluss von Kausalitäten, von Bewegungen und Adressierungen, von räumlichen und zeitlichen Bezügen, der sich in der Rezeption wie eine Klammer unter die Bildfolge zu legen scheint. Aber auf allen Ebenen der filmischen Struktur können Bindungseffekte auftreten, die sich nicht allein auf die Kontinuität der Handlung reduzieren lassen: grafische Verbindungen, rhythmische Beziehungen, räumliche und temporale Verhältnisse, Darstellung von Handlungen und Teilhandlungen, Kontiguitätsbeziehungen wie vor allem der Kausalität; deskriptive Folgen von Bildern; Bilder in Argumentationsfolgen; usw.

Literatur: Beller, Hans (Hrsg.): Handbuch der Filmmontage. Praxis und Prinzipien des Filmschnitts. München: TR-Verlagsunion 1993. – Dmytryk, Edward: On Film Editing. An Introduction to the Art of Film Construction. Boston/London: Focal Press 1984. – Fritz, Horst (Hrsg.): Montage in Theater und Film. Tübingen/Basel: Francke 1993. - Reisz, Karel / Millar, Gavin: Geschichte und Technik der Filmmontage. München: Filmlandpresse 1988. – Schumm, Gerhard: Der Film verliert sein Handwerk. Montagetechnik und Filmsprache auf dem Weg zur elektronischen Postproduction. Münster: MAkS Publikationen 1989.

Referenzen:

Accolade

Akzeleration

analytische Montage

Anschluss

Arbeitskopie

Assoziationsmontage

Bewegungsschnitt

Bukolik

coverage (1)

coverage (2)

cross cutting

cross cutting: Frühzeit

cut back

cut out

cut-in

cutaway

découpage

edit points

Feinschnitt: Materialerkundung

Flash-Cutting

harter Schnitt

Heranschnitt

Hip-Hop-Montage

innere Montage

Insert

intellektuelle Montage

Jump Cut

Juxtaposition

Kollisionsmontage

Kontrastmontage

kreative Geographie

master shot

match cut

Montage versus Schnitt

Montage: Geschichte

Montageexperimente

Montagesequenz

Montagetheorie

Offline-Schnitt

Parallelmontage

relationale Montage

MTV style editing

Rakkurs

Rohschnitt/Feinschnitt

Schachtelmontage

Sequenzblende

shock cut

Sichten

Stakhanovistische Montage

thematische Montage

Timecode

Timeline

timing cut

unsichtbarer Schnitt

vertikale Montage

weicher Schnitt vs. harter Schnitt

white flash editing

Zap Cut

Zwischenbild

Zwischenschnitt


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: HJW


Zurück