Lexikon der Filmbegriffe

Dogma-Film / Dogma 95

1995 trafen sich in Kopenhagen eine Reihe von Filmemachern (Lars von Trier, Kristian Levring, Thomas Vinterberg und Sören Kragh Jacobsen) und verabschiedeten ein Manifest, das alle Spezialeffekte zurückwies und sich auf ein geradliniges, am unmittelbaren Spiel der Akteure interessiertes Modell der Erzählung berief. Die Dogma-Regisseure beriefen sich auf die antibürgerlichen Ideale von 1960 (wie z.B. das Oberhausener Manifest), deren Ergebnisse sie aber bereits wieder verbürgerlicht sahen. Sie beschlossen, anti-künstlerisch aufzutreten und legten Regeln fest, wie ein Film auszusehen habe, der ein Dogma- Film sein will. In dem Papier wird u.a. proklamiert, (1) dass man ausschließlich an Originalschauplätzen drehen wolle, (2) dass der Ton gleichzeitig zum Bild produziert werden solle und dass als Musik ausschließlich diegetische Musik verwendet werde, (3) dass man ausschließlich die Handkamera nutzen wolle ohne optische Tricks oder Spezial-Linsen, (4) dass man bei den Farbaufnahmen keine spezielle Beleuchtung akzeptiere, (5) optische „Spielereien“ ablehne, (6) keine oberflächlichen Aktionen gestatte, (7) den Film hier und heute spielen lasse und (8) keine Genrefilme akzeptiere. (9) Der Regisseur erhält keine eigene Nennung in den Credit-Angaben, enthält sich seines persönlichen Geschmacks und begreift sich nicht länger als Künstler.
Nach eigenem Bekunden gibt es inzwischen 31 Dogma95-Filme; allerdings sind nur sieben durch das inzwischen geschlossene Dogma-Büro in Kopenhagen als Dogma-Filme anerkannt (Stand: 2002). Die hierzulande bekanntesten sind Festen / Das Fest (Dogma #1) von Thomas Vinterberg, Idioterne / Idioten (Dogma #2) von Lars von Trier, Mifune (Dogma #3) von Søren Kragh-Jacobsen und Lovers (Dogma #5) von Jean-Marc Barr. 

Literatur: Hjort, Mette / MacKenzie, Scott (eds.): Purity and provocation: Dogme 95. London: bfi Publishing 2003. – Lorenz, Matthias N. (Hg.): DOGMA 95 im Kontext. Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Authentisierungsbestrebung im dänischen Film der 90er Jahre. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag 2003.


Artikel zuletzt geändert am 03.08.2011


Verfasser: TB


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