Lexikon der Filmbegriffe

Apokalypsenfilme

Apokalypsenfilme sind in einer zukünftigen und durch eine globale Katastrophe vollständig veränderten Welt situiert. Es gibt drei verschiedene Teilgenres, die sich durch ihre Beziehung zur Katastrophe unterscheiden: (1) Endzeit im eigentlichen Sinn. Die Katastrophe verändert Rahmenbedingungen menschlicher Existenz und teilt die Geschichte in ein Vorher und ein Danach. Im Fokus des Films können (a) bereits gefestigte, neue Organisationsformen des menschlichen Zusammenlebens stehen, oder (b) die Suche nach neuen Gesellschaftsformen bzw. die Suche nach und der Aufbruch zu Räumen, die ein solches neues Leben möglich machen. (2) Kontinuierliche Endzeit. Manche Apokalypsen-Filme spielen in möglichen Welten, die sich nicht durch den scharfen Einschnitt einer Katastrophe entstanden sind, sondern sich kontinuierlich aus gegebenen Zuständen entwickelt haben. Die dargestellte Welt ist durch ein ‚organisiertes’ Chaos gekennzeichnet, das aus der Extremisierung von real angelegten Gegebenheiten hervorgeht und als Konsequenz bestehender Zivilisationsprobleme erscheint. (3) (Apodiktisch-restriktive) Utopien. Hier resultieren die dargestellten Welten aus einer sozialen Katastrophe, die eine radikale Transformation der Gesellschaft bewirkt. Der Prozess der Veränderung selbst ist aber nicht das Thema. Er geht mit einer mentalen Katastrophe einher, insofern das Wissen um den früheren, anderen Zustand der Welt ausgelöscht ist. Dargestellt wird eine neue, totalitäre Ordnung, die sich durch apodiktisch-restriktive Regeln festigt.


Die einzelnen Teilgenres zeichnen sich durch typische Handlungsmuster und spezifische narrative Programme aus: Zu ihnen zählen die Grenzüberschreitung von außen nach innen mit der Veränderung der Welt, die Selektion im Danach, das Überleben des ausgezeichneten Einzelnen, die Merkmalsveränderung des Protagonisten. Die Typen sind untereinander kombinierbar. Die Plots einzelner Filme variieren und kombinieren ein schmales Set von Motiven. Die Apokalypsenfilme sind Seismografen ihrer Zeit und thematisieren politische, kulturelle und moralisch-ethische Problemkonstellationen ihrer jeweiligen Produktionszeit.

Literatur: Mitchell, Charles P.:A guide to apocalyptic cinema. London: Greenwood Press 2001. – Shapiro, Jerome F.: Atomic bomb cinema. The apocalyptic imagination on film. London: Taylor and Francis 2002.
 

Referenzen:

Endzeitvision

Dystopie


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HK


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