Lexikon der Filmbegriffe

Archetyp

Von griech. archétypos ‚zuerst als Muster geprägt‘, von dort im Neuplatonismus das Substantiv tò archétypon ‚das zuerst Geprägte, intelligible Urform, Urbild, Vorbild‘; lat. archetypum.

Archetypen werden im Anschluss an die psychoanalytische Lehre von C.G. Jung jene in allen Kulturen und zu allen geschichtlichen Zeiten kontinuierlich auftauchenden Bilder, Motive und Personaltypen in festen Handlungsschemata genannt, die von den Menschen auf narrativ fixierte Vergangenheiten mit spezifischen Formen starker Zeichen- und Symbolhaftigkeit (wie Mythen, Märchen, religiöse Überlieferungen) bezogen werden und die geeignet sind, ihre Gedanken und Vorstellungen zu beeinflussen. Die Gesamtheit dieser für die Menschen zugleich auch emotional stark besetzten Archetypen macht das sogenannte ‚kollektive Unbewusste‘ aus und bildet nach Jung die Grundlage unserer ererbten Persönlichkeitsstruktur. Von dort erklärt sich auch die inhaltliche und strukturelle Nähe und Affinität der Archetypen zu bewusstseins- und wahrnehmungsverändernden psychischen Ausnahmesituationen wie Psychosen, zum Traum und eben auch zum Film.

Literatur: Frye, Northrop: Anatomy of criticism: 4 essays. Princeton, NJ: Princeton University Press 1957; 10th pr., 1990; Nachdr. 2001; dt.: Analyse der Literaturkritik. Stuttgart [u.a.]: Kohlhammer 1964. – Hockley, Luke: Cinematic projections: the analytical psychology of C.G. Jung and film theory. Luton: University of Luton Press 2001. – Jung, C.G.: Die Archetypen und das kollektive Unbewußte. In: Gesammelte Werke 9,1. 4. Aufl. Olten: Walter 1980. –  Volkmann, Laurenz: Archetypentheorie (archetypal criticism); Archetypus, Archetyp. In: Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Hrsg. v. Ansgar Nünning. Stuttgart/Weimar: Metzler 1998, S. 21-23.

 

Referenzen:

American Monomyth

Held

Mythos und Film

Trickster I: Motivgeschichte

Trickster II: Filmgeschichte


Artikel zuletzt geändert am 13.01.2012


Verfasser: LK


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