Lexikon der Filmbegriffe

Archetyp: Film

Gerade auch der populäre Film nutzt die anthropologisch klassifizierbaren Konstellationen menschlicher Bindungen - Anziehungen wie auch Abstoßungen – zur Modellierung seiner Stoffe: Nicht nur der diffizile Bereich der familiären Bindungen mit seinen typischen Ereignissen und Gefährdungen (Stationen des ‘Kreislaufs des Lebens’ wie Geburt, Krankheit, Tod), sondern auch exzeptionelle Liebesbeziehungen und interpersonale Tragödien oft mythischen Ausmaßes sind ein ewiges Thema, ebenso wie auch die Figuren-Archetypen des Fremden, des Sündenbocks, des Tricksters, des Erlösers, des göttlichen Kindes, der jungfräulichen Heldin, der bösen Schwiegermutter-‘Hexe’, des dämonischen Liebhabers, der polaren Rollen von Madonna und Hure (Vamp, femme fatale), von Held und Schurke, Prinz und Lotterbube finden immer wieder Eingang in Drehbücher. So kann etwa eine heldische Figur, wie sie James Bond verkörpert, strukturell als Archetyp des ‘Fremden’ gelesen werden: Bond taucht – darin dem arthurischen Ritter nicht unähnlich – in Zeiten existenzieller Not auf, erfüllt seine Aufgabe oder ‘Mission’, Menschen oder die ganze Menschheit vor dem drohenden Untergang zu erretten, um anschließend wieder im Privaten unterzutauchen. Insbesondere der Western und die großen Weltraumopern wie Star Wars sind Gegenstand filmwissenschaftlich aufschlussreicher Archetypenforschung geworden (American Monomyth), und in den letzten Jahren hat gerade das Werk von Steven Spielberg entsprechende Interpretationen auf sich gezogen.

Literatur: Barrett, Gregory: Archetypes in Japanese film: the sociopolitical and religious significance of the principal heroes and heroines. Selinsgrove: Susquehanna University Press / London: Associated University Presses 1989. – Hill, Geoffrey: Illuminating shadows: The mythic power of film. Boston/London: Shambala 1992. – Iaccino, James F.: Psychological reflections on cinematic terror: Jungian archetypes in horror films. Westport, Conn.: Praeger 1994. – Ders.: Jungian reflections within the cinema: a psychological analysis of sci-fi and fantasy archetypes. ebd. 1998. – Silet, Charles L.P. (ed.): The films of Steven Spielberg: critical essays. Lanham, Md.: Scarecrow Press 2002 (Filmmakers, 94.).
 

Referenzen:

American Monomyth

Trickster II: Filmgeschichte


Artikel zuletzt geändert am 13.01.2012


Verfasser: LK


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