Lexikon der Filmbegriffe

Derussa

Aufgrund einer Intrige des Filmhändlers Georg Sklatz und der für den sowjetischen Filmexport zuständigen Sovkino wurde am 5.10.1927 die Deutsch-Russische-Film-Allianz GMBH (meist als „De-Ru-Fa“ bezeichnet) gegründet. Da die Ufa wegen Namensähnlichkeit Beschwerde einlegte, wurde die Firma nach wenigen Wochen in Derussa umbenannt. Die Firma sollte zum einen Filme importieren, zum anderen selbst produzieren (umso das Kontingentierungsgesetz von 1925 zu umgehen). Ein Volumen von 15, im nächsten und den folgenden Jahren 25 Langfilmen war geplant, denen die gleiche Menge an sowjetischen Filmen hinzutrat. Allerdings war Derussa eher an breitem Publikumsgeschmack orientiert denn an politischer Propaganda (sich darin von der Prometheus deutlich unterscheidend) – das Verleihprogramm der Derussa enthielt eine hohe Zahl von eher unterhaltenden Eigenproduktionen und viele politisch nicht-ambitionierte Spiel- und Dokumentarfilme. 1928 verkaufte Sklatz seine Anteile an die British Screen Production Ltd. Noch 1929/1930 hatte die Derussa 11 Langfilme in Produktion, musste aber 1929 Konkurs mit einem Verlust von mehr als 2,8 Mill. RM anmelden. Als Gründe für den Verlust wurden die Höhe der Geschäftsunkosten, die Kosten für die Beschaffung von Filmen sowie Sondergeschäfte von Vorstandsmitgliedern genannt. 

Literatur: Mühl-Benninghaus, Wolfgang: Deutsch-russische Filmbeziehungen in der Weimarer Republik. In: Positionen deutscher Filmgeschichte. Hundert Jahre Kinematographie: Strukturen, Diskurse, Kontexte. Hrsg. v. Michael Schaudig. München: Diskurs FilmVerlag 1996, S. 91-118 (Diskurs Film. 8.).


Artikel zuletzt geändert am 03.08.2011


Verfasser: JH


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