Lexikon der Filmbegriffe

Dokumentation

(1) Die wohl umfangreichste journalistische Form, die ein Geschehen oder Thema in einen umfassenden Zusammenhang einordnet, dabei eine möglichst objektive Position einnehmend, sachlich informierend und sich jeglicher Bewertung enthaltend, wird „Dokumentation“ genannt. Sie fußt auf einer gründlichen Recherche, zu der Interviews mit Beteiligten und Betroffenen, Gespräche mit Experten und die Nachforschung nach einschlägigem Material in möglichst vielen Archiven gehört. Sie arbeitet mit Aktenauszügen, dokumentarischen Texten und – bei Hörfunk und Fernsehen – mit Originalaufnahmen, die ihr Authentizität, Lebendigkeit und Gegenwärtigkeit verleihen. Man unterscheidet (1) „Langzeitdokumentationen“, die die Entwicklung eines Geschehens oder einer Personengruppe über Monate und Jahre hinweg darstellen (wie in Die Kinder von Golzow, DDR 1961-1989, BRD 1990ff, Barbara Junge, Winfried Junge), (2) „historische Dokumentationen“, die historische Ereignisse ausleuchten und Personen vorstellen, die als Akteure politischer, ökonomischer und sozialer Prozesse gewirkt haben (als dominierendes Fernsehformat der Geschichtsdarstellung), und (3) „zeitgeschichtliche Dokumentationen“, die von den Zeitzeugen leben, die das Geschehen miterlebt haben, und die ihren Gegenstand mit Exponaten darstellen, die aus der berichteten Zeit stammen. Insbesondere die beiden letzteren Formen werden oft gemischt.
(2) Die Offenlegung aller Quellen, auf die sich eine Darstellung stützt und die in aller Regel schriftlich erfolgt, nennt sich „Dokumentation“. Sie umfasst Quellenverzeichnisse, historische Arbeiten zum gleichen Thema, Dokumente im Volltext oder in Auszügen und dergleichen mehr. 

Literatur: Bolesch, Cornelia [Hrsg.]: Dokumentarisches Fernsehen. Ein Werkstattbericht in 48 Porträts. München [...]: List 1990 (Journalistische Praxis.). – Mohn, Elisabeth Filming culture. Spielarten des Dokumentierens nach der Repräsentationskrise. Stuttgart: Lucius & Lucius 2002 (Qualitative Soziologie. 3.).
 

Referenzen:

filmhistorische Dokumentation

Langzeitstudie

Seriographie


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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