Lexikon der Filmbegriffe

double take

Der double take ist eine besondere Strategie der Gag-Erzeugung in der Slapstick-Komödie. Sie fußt eigentlich auf einer zweifachen Wahrnehmung. Der Akteur nimmt keinerlei Notiz von etwas. Erst in einem zweiten, eigenen Akt der Zuwendung realisiert er schlagartig, dass das, was geschehen ist, von höchster Bedeutung ist. Das interessante am double take ist die Tatsache, dass der Zuschauer sieht, dass der Akteur etwas wichtiges nicht wahrnimmt, was er jedoch wahrnehmen könnte, und dass er weiß, dass es wichtig ist, dass der Akteur wahrnimmt, und dass er weiß, dass in einer Komödie die wichtige Wahrnehmung verspätet einsetzt. Der double take ist höchst reflexiv gebaut und entfaltet seinen Witz vor allem in der Erwartung des Zuschauers, dass die relevante Wahrnehmung auftreten wird. Cary Grant guckt in Arsenics and Old Lace (1942) in eine Truhe, in der eine Leiche liegt, mit der er nicht rechnet. Grant öffnet die Truhe, schließt sie wieder, dann geht ihm ein Licht auf, das verstehend, was er gesehen hat, öffnet er die Truhe erneut.
Ein Sonderfall ist der double take and fade away, der wohl von dem Komiker James Finlayson entwickelt wurde – dann ist der zweite Blick gefolgt von einem langsamen, zwischen Vorsicht und Ablehnung austarierten Abwenden des Kopfes begleitet. 


Artikel zuletzt geändert am 03.08.2011


Verfasser: HJW


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