Lexikon der Filmbegriffe

Cameo: Typologie

(1) Im engeren Sinne bezeichnet die Cameo-Rolle (cameo role) den verkleideten Auftritt eines Stars in einer Nebenrolle. Das Publikum wird nicht im Klaren gelassen, sondern muss sich – bei Interesse – auf die Suche nach dem Star einlassen. Wird er identifiziert, ist für einen Moment die Illusion des Stücks unterbrochen und das umgebende Bedeutungssystem des Films und des Kinos in der Rezeption präsent. Dazu rechnen auch die Regisseursauftritte.
(2) In einem etwas engeren Sinne ist der Cameo-Auftritt auch als Gastrolle (guest role) gefasst – als „kleine Rolle“, die dem Rang des Stars, der sie spielt, unangemessen ist. Beispiele sind Auftritte wie der Marlon Brandos in Apocalypse Now (1979) oder Sean Connerys Auftritt als König Löwenherz in Robin Hood Prince of Thieves (1991). Derartige Besetzungen sind reflexiv, weil die Ränge von Star und Rolle auseinanderklaffen.
(3) Eine dritte Art des Cameo-Auftritts ist der Überraschungsgast (surprise role) als unverkleideter und unangekündigter Auftritt eines Stars (dieses vor allem in den Live-Formen des Fernsehens). Überraschungsauftritte spielen mit der Vorstellung, die Mitglieder der Star-Kaste gehörten einer gemeinsamen Kaste an, die sich gegenseitig in ihren Sendungen besuchen können.
(4) Recht selten ist die Reminiszenz-Rolle (reminiscent role), von der man spricht, wenn in einer Neuadaption eines Stoffes Darsteller der älteren Version auftreten.

Referenzen:

Gastauftritt


Artikel zuletzt geändert am 13.01.2012


Verfasser: HJW


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